Im „Ethnikos Kipos“ dem Nationalgarten (früher „Königsgarten“) Athens treffen sich die griechische und die deutsche Geschichte. Diesem Ort der Begegnung könnte eine deutsch-griechische Privatinitiative neue Hoffnung geben.

Der Nationalpark Athens ist nicht nur eine architektonische, gartenbautechnische und städtebauliche Sehenswürdigkeit der Hauptstadt Griechenlands sondern auch die Lunge ihres historischen Zentrums. In der Nähe des Syntagma-Platzes grenzt der ehemalige Schlossgarten an der stadtabgewandten Seite an das frühere Stadtschloss und heutige Parlamentsgebäude und an das Zappeion. Der staatliche Garten wurde 2004 für 90 Jahre der Stadt Athen zur kostenfreien Nutzung überlassen. Doch wie jede griechische Stadt in Zeiten der Wirtschaftskrise, hat auch Athen Probleme in der Finanzierung der Pflege des Nationalgartens.

In Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde des Nationalgartens unternahm die Stadt Athen eine Initiative und konnte Förderer in Bayern finden. Als erste Fachleute wurden die Landschaftsarchitektin Dipl. Ing. Katrin Schulze und Jost Albert von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen vom Athener Oberbürgermeister Kaminis und dem Vorsitzenden des Freundesvereins Michalis Maillis empfangen und im Nationalgarten geführt. Einige Tage später lud die Diaspora-Griechin Chiona Xanthopoulou-Schwarz 50 Prominente in ihrem Domizil in München, um sie über die Ergebnisse der Experten und die Notwendigkeit der finanziellen Hilfe für den Nationalgarten zu informieren und zu überzeugen. Unter den Prominenten waren viele Nachkommen des griechischen Königspaares Othon und Amalie, er ein bayerischer Prinz, sie eine Oldenburger Prinzessin.

Katrin Schulze bekommt zwei Jahre Zeit, um einen Masterplan für die Rettung der über 500 Pflanzensorten aus aller Welt, die Erhaltung der verschiedenen Skulpturen und antiken Ruinenresten sowie die tägliche Pflege des Nationalgartens zu erarbeiten. Die Kosten des Masterplans sind inzwischen durch deutsche und griechische Sponsoren gesichert. Darüber freuten sich insbesondere der große Philhellene Franz von Bayern, Oberhaupt des bayerischen Königshauses Wittelsbach aus dem Griechenlands späterer König Othon stammte, sowie Caroline Herzogin von Oldenburg, die über die große Liebe ihrer Vorfahrin, der Königin Amalie, für ihren Schlossgarten ganz gut Bescheid wusste.

Der 15,5 Hektar große Garten wurde zwischen 1838 und 1840 im Auftrag der Königin Amalie durch den Agronomen Friedrich Schmidt einerseits als wissenschaftlich genutzter botanischer Garten, aber auch als privates Refugium geplant. Ein Teil der Bepflanzung erwies sich für die klimatischen Bedingungen als ungeeignet und wurde ausgetauscht. Amalie beteiligte sich selbst in der Gestaltung des Gartens u.a. durch Pflanzungen. 1867 gelang Schmidt z.B. die seltene Agave atrovirens karwinski zum Blühen zu bringen.

Ausgebaut wurde der Garten durch den deutsch-griechischen Botaniker Carl Fraas. Während der Arbeiten wurden archäologische Funde gemacht, darunter ein römisches Mosaik und eine antike Wasserleitung, die für den Garten genutzt wurde. Königin Amalie wandte sich später der Politik statt der Landwirtschaft zu und war selbst nicht mehr in der Pflege des Gartens involviert. Direktor des Gartens wurde Theodor von Heldreich und in dessen Nachfolge Spiridon Miliarakis. Einem Bericht von 1860 zufolge stand der Garten an den Nachmittagen der Öffentlichkeit zur Verfügung.

1923 wurde der Garten der Öffentlichkeit freigegeben und nach dem Ende der Monarchie 1974 von königlicher Garten in Nationalgarten umbenannt. Da die Anlage des Gartens eng mit Königin Amalie verknüpft, wurde anschließend die Straße an der von ihr persönlich gepflanzten 12 Palmen nach ihr benannt und der Haupteingang dorthin verlegt. Seitdem wird der Nationalgarten, der für viele Athener noch als Oase des Friedens und der Ruhe gilt, zu den Öffnungszeiten, also laut Anschlag «von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang», rege besucht.

Im Nationalgarten findet man heute ein botanisches Museum und ein Café. Beim Rundgang begegnet man einigen archäologischen Funden sowie Büsten aus Marmor, die an Persönlichkeiten aus der Geschichte Griechenlands erinnern.

An dieser Stelle sollte auch an einer Aktion der Athener Niederlassung des deutschen Unternehmens KÄRCHER erinnert werden. In 2013 haben Mitarbeiter von KÄRCHER Hellas und ihre Familien in Zusammenarbeit mit der Stadt Athen und der Umweltorganisation „Sauberes Griechenland“ (Ellada kathari) neue Bäume im Nationalgarten gepflanzt. Die Aktion war Teil eines Projektes von KÄRCHER Hellas zugunsten von historischen Stätten und Denkmälern im Land. Neben der finanziellen Unterstützung und den Einsatz von firmeneigenen Geräten nimmt auch das Personal des Unternehmens aktiv und freiwillig teil.

Fotos: www.kaercher.com und pc