Kindertanzgruppe

Gütersloh. Obwohl es diesmal auf Grund der starken Regenfälle in den Räumen der griechischen Kirchengemeinde stattfand, kamen im Laufe des Nachmittags viele Besucher, um bei Souvlaki, griechischen Salaten und Weinen die Verbundenheit zwischen Griechen und Deutschen zu feiern.

Von links: Miltiades Stavropoulos, Thomas Ostermann, Konstantinos Sangas, Jürgen Jentsch, Ralph Brinkhaus, Georg Pekalis
Von links: Joanna Harsdorf, Konstantinos Sangas, Sven Georg Adenauer, Jürgen Jentsch, Else Sommer, Hartmut Bleßmann, Peter Harsdorf

Eröffnet hatte das gemeinsame Fest Landrat Sven Georg Adenauer, der betonte, dass die Deutsch-Griechische Gesellschaft hier dankenswerterweise seit über 40 Jahren den Integrationsgedanken nicht nur vorlebe, sondern auch gemeinsam mit den Griechen praktiziere. Hier zeige es sich, dass Partnerschaft funktioniere.

Die Kindertanzgruppe trug, gekleidet in ihren griechischen Nationaltrachten, zur Freude der Anwesenden zur allgemeinen Stimmung bei, bevor dann der Vorsitzende Jürgen Jentsch unter starkem Beifall einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Vereins und einen Ausblick auf die Gegenwart wagte.

Als Hausherr betonte Erzpriester Miltiades Stavropoulos wie wichtig ihm diese enge Zusammenarbeit mit der Deutsch-Griechischern Gesellschaft immer gewesen ist. Auch der Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus, der Fraktionsvorsitzende der SPD Thomas Ostermann und der Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Lippstadt Georg Pekalis lobten den großen Integrationsgedanken, der hinter diesem Verein stehe. Die Griechen könnten sich glücklich schätzen, dass man hier solch aktive Mitstreiter gefunden habe, die sich seit Jahrzehnten für sie einsetzten. Und wie immer saß man dann noch lange zusammen, um zu diskutieren, aber auch um über vergangene Zeiten zu schwärmen.

40 Jahre Deutsch-Griechische Gesellschaft Gütersloh

Rede des Vorsitzenden Vorsitzende Jürgen Jentsch

Kindertanzgruppe

Wir als Deutsch-Griechische Gesellschaft Gütersloh nehmen das runde Datum zum Anlass zurückzublicken. Vor 50 Jahren, am 30. März 1960 trat das Abkommen zur Anwerbung von Gastarbeitern zwischen dem damaligen Königreich Griechenland und der Bundesrepublik Deutschland in Kraft, um dem deutschen Wirtschaftwunder neue Arbeitskräfte zuzuführen.

Und sie kamen in Scharen. Denn in Griechenland herrschte, wie in vielen anderen europäischen Ländern auch, die Massenarbeitslosigkeit. Und so kamen insbesondere die ungelernten und kaum ausgebildeten Menschen aus den ärmeren Regionen dieses Landes zu uns, um ihren zurückgebliebenen Familien das Überleben zu garantieren. Alleinstehende Frauen und Männer, mit den Willen hart zu arbeiten, schnell Geld zu verdienen, um dann wieder zurück in die Heimat zu ihren Familien zurückzukehren. Viele träumten von einem kleinen Häuschen, von einer eigenen Existenz.

Und die Politiker und Unternehmen träumten von billigen Gastarbeitern, die eben mal das hiesige Bruttosozialprodukt erhöhen sollten, um dann schleunigst wieder zu verschwinden. Statt Menschen erwartete man Roboter, menschliche Maschinen ohne einen Anspruch auf ein Zusammenleben mit der hiesigen Bevölkerung. Dabei sollten kleine Geschenke wie Mopeds oder preiswerte, schnell errichtete Behelfsheime auf dem, oder neben dem Firmengelände, den Anstrich eines sozialen Aspektes geben.

Nur für beide Seiten ging diese Rechnung nicht auf. Viele der Griechinnen und Griechen sind geblieben. Sie holten ihre Frauen und Männer und Kinder nach. Bekamen hier Kinder und leben mittlerweile in der vierten Generation in ihrer neuen zweiten Heimat. Sie gründeten griechische Schulen, Kirchen-, Sport- und Kulturvereine. Ja, sie hatten sich trotz aller Unzulänglichkeiten in ihrer zweiten Heimat eingelebt, oder besser noch angepasst.

Katastrophal aber die Auswirkungen des politischen Nichthandelns. Das nicht wahrhaben wollen, dass Deutschland damit zu einem Einwanderungsland geworden war. Man drückte sich davor für die Menschen, die man ins Land geholt hatte Verantwortung zu übernehmen. Notwendige Voraussetzungen, wie Sprachunterricht oder gar das Aufwachsen der jungen Menschen in ihrer Zweisprachigkeit in den Schulen als die große Chance zu begreifen, blieben in den Kinderschuhen stecken.

Natürlich gab es auch hier Ausnahmen. Unternehmen, die in den ankommenden Menschen sahen, denen man beistehen musste. Nachbarn und Organisationen, die sich in ihrer Freizeit um die Sorgen und Nöte kümmerten ihrer neuen Mitmenschen kümmerten. Sie wurden zu Ansprechpartnern, während das offizielle Deutschland immer weiter an ihrer Lebenslüge festhielt. Zu denen, die sich dieser Menschen, die nicht nur auf Grund der Verständigungsproblem Schwierigkeiten hatten, annahmen, gehörte auch die Deutsch-Griechische Gesellschaft in Gütersloh. Denn gerade Gütersloh war einer der Schwerpunkte der griechischen Einwanderung.

1971 als Verein gegründet ist sie bis heute das Bindeglied zwischen Griechen und ihren Vereinen und den interessierten Deutschen geblieben. Und stellt sie sich auch weiter ihrer Verantwortung. Auch in der jetzigen selbst gemachten politischen Krise Europas.

Denn inzwischen verstößt jedes Land gegen die einmal normierten Konvergenzkriterien. Immer noch aber ziehen diese Verstöße keine Sanktionen nach sich. Gegen den dominierenden Ministerrat hat das Parlament keine Chancen. Leider hat sich auch der Europäische Gerichtshof auf die Seite der Regierungen gestellt und die vom Parlament beantragten Strafmaßnahmen abgelehnt. Das heißt Europa muss weiter mit seinen hausgemachten vielfachen Krisenherden leben. Allerdings würde eine Abschaffung des Euro wieder zum Rückfall reiner Nationalstaaten führen und die gesamte Wirtschaft beeinträchtigen. Deutschland hätte dabei wohl die schlechtesten Karten und würde weltweit isoliert.

Natürlich hat Griechenland seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse gelebt. Eine korrupte und aufgeblähte Verwaltung, zu frühe und zu hohe Renten, keine Kontrolle der Auszahlungen sind nur einige der vielen unsinnigen Subventionen, die eine schon kriminell zu nennende Politik angehäuft hat. Keiner hat jemals darüber nachgedacht wie denn die Schulden getilgt werden sollen. Es war ja so einfach sich das fehlende Kapital vom Finanzmarkt zu holen. Dabei hat sich dieses internationale Finanzierungssystem immer sehr großzügig gezeigt. Und die Spekulanten haben mit Unterstützung der Regierenden von Deutschland und Frankreich Riesenprofite eingefahren. Inzwischen sind die deutschen Banken mit etwa einer dreiviertel Billionen Hauptgläubiger der Krisenstaaten wie Griechenland, Spanien, Portugal und Irland. Allein Griechenland muss für die jetzt fälligen Rückzahlungen bereits in diesem Jahr 30 Mrd. € aufbringen und das bis 2019 weiter ansteigend. Wie das gehen soll weiß zurzeit keiner. Auch die deutsche Bundesregierung nicht. Denn durch das aufgelegte strikte Sparprogramm entstehe nun ein Teufelskreis. Weniger Einkommen erzeugt weniger Kaufkraft, belastet so das Wirtschaftswachstum und es führt zu weniger Steuereinnahmen. Wie hier ein Schuldenabbau stattfinden soll weiß keiner. Bei 350 Mrd. Euro Schulden hilft nur wirklich ein entsprechender Schuldenerlass durch die Gläubiger. Damit reduziert sich die horrende Zinszahlung und bringt so eine erhebliche Entlastung.

Und ich sage ganz deutlich, dass es ein zurück in nationale Währungen und damit wieder zur Nationalstaatlichkeit nicht geben kann. Auch wenn sich der einseitige historische Glücksfall eines vereinten Europas auf Grund politischer Fehlentscheidungen zu einer der größten Krisen seit ihrem Bestehen ausgeweitet habe, muss Europa auch künftig vereint, als Friedensgarant und Exportmeister und damit als Schwergewicht, gegen die anderen Wirtschaftsweltmächte auftreten. Wir sehen doch, wie gierig andere Staaten, siehe China, die Hand auf lukrative Geschäfte ausstreckt. Von daher sind jetzt endlich die nationalen Parlamente gemeinsam mit dem Europaparlament gefordert, entsprechende Lösungen zu finden, zu der die Regierungen bisher nicht fähig waren. Außerdem müssen endlich auch die Verursacher dieser Krise bestraft und mit ihrem angehäuften Vermögen haften. Es kann nicht sein, dass immer wieder allein nur die Bürgerinnen und Bürger die Leidtragenden und Opfer politischen Entscheidungen sind.

Sie sehen, wir haben noch viele unruhige Zeiten vor uns. Aber wir wissen auch, dass wenn wir heute hier gemeinsam feiern können, ist das auch eine der Auswirkungen des freien Europas. In dem Sinne viel Spaß.