Erinnerungsfoto nach vollbrachter Arbeit

Eine wundersame Wandlung

Von Sylvia Löser und Walter Bachsteffel

Schön ist es hier. Hoch überragt der Korilas den Ort. Ständig wechseln seine Farben. Mal düster kündend von nahem Wetterumschwung, mal strahlend im Sonnenlicht, immer aber ist der Hausberg Paramythias sehenswert. Von den vielen und vielbesuchten Cafes rund um die Metropolis wie auch von deren Vorplatz lässt er sich gut bewundern.

Hässlich ist es hier. Seit vielen Jahren verwittert und gammelt das Amphitheater dazwischen vor sich hin. Unmengen Beton, wenn auch in schön geschwungener Form zeugen von Verschwendung öffentlicher Gelder. Zumindest solange, bis kein Geld mehr zu verteilen (oder zu verdienen war) war. Graffiti verunzieren es, unter den Betonrängen dringt übler Geruch heraus. Als Toilettenhäuschen ist die Ruine wohl doch etwas überdimensioniert. Nicht einmal die Schalung der Betonarbeiten wurde vollständig entfernt.

Die Jugendlichen der Duisburger Werkkiste bei den Renovierungsarbeiten im Theater

Es besteht Hoffnung. Lastwagen rücken an, Steine werden abgekippt, Zement angeliefert und Hochdruckstrahler reinigen Bühne und Ränge. Neugierige bleiben stehen und reiben sich die Augen. Was geht nach so vielen Jahren der Vernachlässigung hier vor?

Die Hoffnung wird zur Gewissheit. In Zusammenarbeit von neuer Stadtführung und der deutschen Organisation aktuelles forum (af) aus Nordrhein-Westfalen wird die Bauruine anlässlich der Vorbereitungen des Gedenktages der 49 renoviert. Bürgermeisterin Stavroula Braimi-Botsi und Vize-Bürgermeister Dimitrios Mamouris lassen nach mehreren vorbereitenden Gesprächsrunden  große Teile des groben und verschmutzten Betons mit ortsüblichen alten Steinen verkleiden und dann rückten die Jugendlichen der Duisburger Werkkiste an. Grundieren, abkleben, streichen und nochmals streichen – keine Arbeit ist ihnen trotz der Hitze zu viel.

Bei Vater Gerassimos im Klosters Ragiou
Besuch bei Bischof Titos
Rafting in die «Unterwelt»

Warum das alles? In vielen von Gräueln des Zweiten Weltkrieges betroffenen Ländern arbeiteten schon Auszubildende im Auftrag des aktuellen forums. Ertüchtigung für einen handwerklichen Beruf in Verbindung mit nachdrücklicher Erinnerung an Kriegsverbrechen ist das lobenswerte Ziel. In Kalavrita begannen die Arbeiten für Griechenland, Kefalovriso, Kommeno und Lingiades folgten, nun ist Paramythia an der Reihe. Natürlich ist solches nicht zum Nulltarif zu haben. Der weitaus größte Teil davon wie Flug, Unterkunft und Verpflegung wie auch ein erheblicher Anteil an Material kommt aus Geldern des europäischen Xenos-Programmes, aus der deutschen Melanchton-Stiftung und aus dem Etat des Arbeitsministeriums.

Die Arbeiten schreiten voran. Zweifache Grundierung und der sorgfältig ausgewählte und auf die Umgebung abgestimmte Farbauftrag zeigen bereits kommende Schönheit. Bei genauer Betrachtung bleibt unklar, warum früher solch Kleinod in solch bevorzugter Lage so herunterkommen konnte. Wir blicken aber in die Zukunft. Ein neues mögliches Zentrum der Stadt für kulturelle Zwecke entsteht vor unseren Augen. Ob Musik- und Tanzveranstaltungen, Sommerkino, Lesungen und Ausstellungen, der Möglichkeiten sind viele, wenn die Bürger Paramythias das Amphitheater annehmen.

Jugendliche können nicht nur arbeiten. Auch die Freizeit will genutzt werden. Das Meer gleichsam vor der Haustür übt natürlich magnetische Anziehungskraft aus, alle haben Badesachen mitgebracht. Dann aber geht es auch zu kulturellen Exkursionen. Es liegt nahe, den großen Bruder des kleinen Amphitheaters Paramythia in Dodoni zu besuchen und zu bestaunen. Der Besuch bei Bischof Titos imponiert und beeindruckt, besonders, als der Bischof die Jugendlichen als Botschafter Deutschlands begrüßt und ihnen für die Arbeit an Theater und Verständigung für die Zukunft dankt. Rafting am Fluss in die Unterwelt, dem Acheron und die Wanderung in diesem zu den Quellen sorgen für wasserspritzende Heiterkeit. Man sieht und fühlt, dass sich die fünf Jungen und vier Mädchen wohlfühlen.

Der nächste Höhepunkt kommt im schwarzen Auto daher. Ihm entsteigt der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Athen, Dr. Roland Wegener. Der ranghöchste Deutsche in Griechenland ließ es sich nicht nehmen, nochmals nachzusehen, welche Entwicklung das ihm bekannte Projekt genommen hat. Zum zweiten Male besucht er nun die kleine Stadt im Epirus und setzt damit die Tradition seines Vorgängers fort.

Bürgermeisterin und Botschafter pflanzen zwei Olivenbäume als Zeichen des Friedens
Gemeinsames Gedenken an die 49 Ermordeten in Paramythia

Der 29. September bricht an. Die wohlbekannten traurigen Melodien des „Paramythia, warum trägst du Schwarz“ schweben über dem Denkmal, als sich zahlreiche Würdenträger zum Gedenken an die 49 Ermordeten versammeln. Darunter auch der Botschafter, die Projektleiterin des aktuellen forum, sowie die Jugendlichen und Leiter der Duisburger Werkkiste. 32 Kränze mit weißen Schleifen werden niedergelegt, dazu einer mit Schwarz-Rot-Gold.

Nach der ob der Sonneneinstrahlung und Dauer der Veranstaltung sehr anstrengenden Gedenkfeier kann es ruhiger angehen. Mit launigen und herzlichen Worten begrüßt der Vorsteher des kleinen Klosters Ragiou, Vater Gerassimos, seine Besucher und erklärt die schöne kleinen Kirche, bevor es nach Sangiada zum Fischessen geht. Leibliches Wohl tut Not, da morgen der große Tag ansteht.

Spaten stehen bereit. In die riesigen Pflanzschalen am Amphitheater wollen Bürgermeisterin und Botschafter zwei Olivenbäume als immergrünes Symbol von Frieden und friedlicher Zukunft pflanzen. Beide drücken in kurzen Reden ihre Freude aus, heute und hier solche Fortschritte zu sehen. Besonders, da dies durch Zusammenarbeit von Griechen und Deutschen geschah. Zukunftswille und Zukunftsfähigkeit, ohne notwendige Erinnerung zu vergessen, werden beschworen. Als die Bäume gewässert sind, ein Lied der Jugendlichen verklungen ist, geht wie bestellt der Mond auf und beleuchtet die friedliche Szene.

Nun können wir mit Fug und Recht sagen: Schön ist es hier!

Rede von Frau Bürgermeisterin Stavroula Braimi-Botsi
am 30. September 2011 im Amphitheater von Paramythia

Sehr geehrter Herr Botschafter,

wir heißen Sie bei der Gelegenheit herzlich willkommen, wo wir der 49 Märtyrer von Paramythia gedachten.

Griechenland trägt schwer an den historischen Ereignissen. Die junge Generation hat die Verpflichtung, diese Geschichte in Ehren zu halten.

In Paramythia wollen wir die griechische Tradition erhalten und uns an die Vergangenheit, welche durch den II. Weltkrieg schwer auf der Stadt lastet, erinnern.

Die Bürger der Stadt haben vergeben, aus diesem Grund luden sie das aktuelle forum und die Jugendlichen, welche hier stehen, ein, mit uns dieses Projekt durchzuführen.

In der Erinnerung an die Vergangenheit möchten wir hier ein Zeichen setzen. Deshalb gab es die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Paramythia und dem aktuellen forum. Die Stadt ließ die Steine anbringen, die Jugendlichen des aktuellen forum übernahmen die Malerarbeiten.

Wir pflanzen heute hier als Symbol einen Olivenbaum. Als Symbol dafür, dass wir die Vergangenheit nicht vergessen werden, aber in die Zukunft blicken wollen. Der immergrüne Olivenbaum erscheint uns als schönes Symbol des Friedens.

In diesem Sinne können wir gemeinsam beginnen.

Rede von Botschafter Dr. Wegener
am 30. September 2011 im Amphitheater von Paramythia

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,

ich danke Ihnen sehr für Ihre freundlichen Worte, mit denen Sie alles Wesentliche ausdrückten.

Dieses renovierte Amphitheater wird ein neues Gemeindezentrum. Es bietet viele Möglichkeiten, besonders für die Jugend. Es ist durch die gemeinsame Arbeit von Griechen und Deutschen entstanden. Besonders die Olivenbäume, die wir heute hier pflanzen, sind ein schönes Symbol für den Frieden zwischen den beiden Völkern, des Friedens zwischen allen Menschen.

Ich möchte Frau Losse vom aktuellen forum danken, ich möchte der Duisburger Werkkiste danken, dass sie durch die Entsendung einer Jugendgruppe dazu beigetragen haben, diese Arbeit zu erledigen.

Vor allem danke ich den Jugendlichen, die diese Arbeit hier geleistet haben. Solltet Ihr eines Tages wiederkommen, werdet Ihr sehen was Ihr zum neuen Gemeindezentrum beigetragen habt.

Dieses ist ein Stück Arbeit für den Frieden, Arbeit für Europa.

Erinnerungsfoto nach vollbrachter Arbeit