Leserbrief zum Thema U-Boot-Geschäfte

Dr. Konstantin Karras,
ehem. Vorsitzender des Verbandes „Griechische Gemeinden Deutschlands“
und des Vereins „Griechische Akademiker“ in Baden-Württemberg.

Stuttgart 10.02.2011.

Betr.: Spiegel Nr. 06 Leserbrief zum Artikel „Codename Gebetskreis“
Deutsche U-Boot-Geschäfte mit Griechenland

Sehr geehrte Spiegel-Redaktion,

Ein sachlich korrekter und für die Wahrheitsfindung wertvoller Artikel. Mein Kompliment an die Autoren. Es ist diesen gelungen, anhand eines U-Boot-Geschäftes,  den Zustand des heutigen Wirtschaftssystems schonungslos und mit allen Details zu beschreiben. Denn die anfängliche Idee von „Angebot und Nachfrage“ hat sich in eine „Überangebot und Wenignachfrage“- bzw. in eine  „Nur-Angebot und Null-Nachfrage“- Phrase umgewandelt.

Im Ernst: Unabhängig davon, wie man zur Theorie des kapitalistischen Systems steht, muss man mit der heutigen Praxis bestimmt nicht einverstanden sein. Mit falschen Beratungs-Informationen, siehe aktuell Zinswettskandal der Deutsche Bank, werden Bank-Kunden in vernichtende Verlustgeschäfte hineingeworfen. Oder mit dem Einschalten von mafia-ähnlichen Schmiergeld-Gruppen, siehe „Gebetskreis “ im Falle der deutsch-griechischen U-Boot-Geschäfte, werden unverschuldeten griechischen Bürgern, Rüstungs-Rechnungen in Milliardenhöhe aufgezwungen, obwohl sie die U-Boote nicht wollten und nicht danach gefragt haben. Was ist also aus der Idee „Angebot und Nachfrage“ übrig geblieben? Aus meiner Studentenzeit erinnere ich mich an die Milchbauer-Geschichte, die unser Ökonomie-Professor uns Studenten gern erzählte. Der Bauer besaß nur eine einzige Kuh und dennoch wurde er von einem Produkt-Verkäufer zum Kauf einer Melkmaschine überredet. Ich konnte damals nicht ahnen, dass es hinter solchen lustigen und harmlosen „Überredungskünsten“ kriminelle Energie versteckt war.

„Ohne das U-Boot-Geschäft mit Griechenland hätte man den U-Boot-Bau in Deutschland beerdigen können“ stellt der HDW-Rüstungsvorstand Johann F. Haun gegenüber den Autoren des „Codename Gebetskreis“-Berichts fest. Im Vordergrund steht also die Existenzsicherung der Firma. Und deshalb müssen U-Boote verkauft werden. Koste was es wolle, egal an wen, egal wie. Auch an Griechenland, obwohl das Land keine feindlichen Meeres-Angreifer zu befürchten hat. Oder hat man vielleicht vor, diese U-Boote gegen die kleinbrüchigen Schiffsboote der Asylsuchenden einzusetzen? Was für ein schrecklicher Gedanke.

Obwohl es dem HDW-Rüstungsvorstand völlig egal war, wofür letztendlich die U-Boote eingesetzt würden, war er clever genug um zu wissen, dass das U-Boot-Geschäft nur über die Schmiergeld-Methode zustanden kommen konnte. Und so waren die U-Boote, die keinem  Menschen nutzen, plötzlich da. Und die Milliarden-Rechnung auch. Diese soll nicht von den korrupten Schmiergeld-Nehmern, darunter auch hohe  griechische. Mandatsträger bezahlt werden, sondern von griechischen Steuerzahlern und 600-Euro-Rentnern, also von denen, die bis vor kurzem in einigen deutschen Medien als Betrüger beschimpft wurden.

Das ist tatsächlich eine „Griechische Tragödie“. Diesmal nicht von Aischylos sondern vom Kieler Rüstungsmanager Haun geschrieben. Man kann sie aber in einer „Griechischen Komödie“ umschreiben. Und dafür ist nicht  Aristophanes sondern das griechische Volk gefragt. Griechenland soll die U-Boote wieder nach Kiel zurückschicken. Und die ersparten U-Boot-Gelder sollen für die Versorgung der Asylsuchenden, die zur Zeit unter menschenunwürdigen Verhältnissen in Lagern untergebracht sind, verwendet werden. Das wäre sinnvoll und gerecht. Vertragsbrüchig macht sich Griechenland deswegen nicht. Denn ein so vollschmieriger Vertrag ist elastisch und lässt sich nicht brechen.

Konstantin Karras, Stuttgart,
Handy: 01743109663

Μάρτιος 2025

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