„Das Ergebnis der aktuellen PISA-Studie macht abermals deutlich, dass kein Weg an einer Schulreform vorbei führt, die vor allem die frühe Selektion der Schülerinnen und Schüler nach der vierten Klasse beseitigt‘‘, kommentiert Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates Nordrhein-Westfalen, die gestern vorgestellte PISA-Studie. „Denn nach wie vor ist die soziale und ethnische Herkunft bestimmend für den Schulerfolg der Kinder, und dies kann in der gesamten Schullaufbahn nicht gänzlich aufgehoben werden.

Vor allem Migrantenkinder sind die Leidtragenden in diesem längst überholten System. Die deutschen Schulen sind nicht auf Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund vorbereitet und mit der kulturellen und sprachlichen Vielfalt überfordert. Die Kinder und Jugendlichen sind einer unzeitgemäßen, auf Monokulturalität und Monolingualität ausgerichteten Didaktik ausgeliefert und bleiben daher nicht selten auf der Strecke. Den Preis für diese verfehlte Politik bezahlt die Gesamtgesellschaft, indem sie für die Folgekosten zur Integration in den Arbeitsmarkt oder Ähnliches aufkommen muss.‘‘

Keltek fordert: „Die Zukunft der Bildung muss interkulturell gestaltet werden: Weg von der defizitorientierten kompensatorischen Projektförderung hin zur Förderung der vorhandenen Kompetenzen. Die Inklusion der Vielfalt muss im Vordergrund stehen.

Die Verlängerung des gemeinsamen Lernens, anstelle der heutigen Praxis der frühen Selektion, muss durch eine längst fällige Schulreform erreicht werden. Denn PISA belegt, dass Länder mit einer Schule für alle Schülerinnen und Schüler besonders erfolgreich sind.‘‘

Ein Erfolgsmodell zur Verbesserung der deutschen Sprache der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist das koordinierte zweisprachige Lernen, das mit der Alphabetisierung beginnt. Auf diese Weise kann die Muttersprache als Brücke zum Erlernen der deutschen Sprache benutzt werden. Alle Studien belegen, dass mit der Einbeziehung der Muttersprache die sprachlichen Defizite im Deutschen schnell beseitigt werden können.