Münchener Gericht ordnet Rückgabe gestohlener Ikonen und Mosaike an

BERLIN. Nach einem sechs Jahre langen Rechtsstreit hat ein Münchener Gericht am 23. September 2010 die Rückgabe äußerst wertvoller Mosaike, Ikonen und Wandmalereien an die Republik Zypern angeordnet. Dabei handelt es sich unter anderem um ein byzantinisches Mosaik aus dem 6. Jahrhundert, das den Apostel Thomas darstellt und aus der Panagia-Kanakaria-Kirche im türkisch besetzten Lythrankomi stammt. Allein diesem Mosaik wird ein Wert von vielen Millionen Euro bescheinigt. Der religiöse und kulturelle Wert der sichergestellten Raubkunst insgesamt gilt als unschätzbar wertvoll. Die Apostel-Darstellung war nach der türkischen Invasion 1974 aus der Kirche herausgebrochen worden.

Im Oktober 1997 konnten das Mosaik und Hunderte anderer Werke bei einer Razzia in der Wohnung des türkischen Hehlers Aydin D. in München sichergestellt werden. Aydin D. war bekannt dafür, dass er als Dealer Raubkunst aus dem besetzten Norden Zyperns auf dem internationalen Kunstschwarzmarkt illegal vertreibt. Damals konnten auch seltene Ikonen zyprischer Meister aus verschiedenen Epochen der byzantinischen Geschichte entdeckt werden, so auch Madonnen-Darstellungen aus dem Kloster Antifonitis/Kalogrea.

Der renommierte Münchener Professor für Kunstgeschichte Johannes Georg Deckers hatte von Anfang an erkannt, woher die Kunstschätze stammten und dies als Gutachter in dem Verfahren vor dem Münchener Gericht nun bestätigt: Die von der UNESCO teilweise als Weltkulturerbe eingestuften Mosaike und Wandmalereien gehören als byzantinische Werke ohne jeden Zweifel zur zyprischen Kunst- und Kulturgeschichte und wurden aus Kirchen und Klöstern im zyprischen Norden, die nach 1974 systematisch geplündert wurden, geraubt.

Die in München beschlagnahmten Werke stammen aus knapp 50 unterschiedlichen Kirchen und Klöstern, insgesamt wurden 500 heilige Orte Opfer dieser organisierten Banden.

Das Gericht folgte nun in seiner Entscheidung der Expertise des Gutachters. Das Verfahren hatte sich in die Länge gezogen, weil es nicht für alle Beutestücke Fotobeweise oder Dokumente gegeben hatte. Direkt nach der Sicherstellung hatte die Orthodoxe Kirche Zyperns aber als rechtmäßige Eigentümerin die Rückgabe der Kunstschätze verlangt und schließlich eine Klage gegen Aydin D. angestrengt. „Die Entscheidung des Gerichts stellt das Ende einer schwierigen und harten juristischen Auseinandersetzung dar. Aber mit diesem Urteil wurden die Erwartungen der Orthodoxen Kirche Zyperns voll erfüllt“, heißt es in einer Stellungnahme des zyprischen Erzbischofs.

Allerdings kann gegen die Entscheidung noch Berufung eingelegt werden. Aydin D. war bereits seit Anfang der 80er Jahre als Verkäufer zyprischer Raubkunst in der Szene international bekannt. So kaufte 1988 eine US-Galeristin von ihm das berühmte Mosaik des Erzengels Michael. Das Geschäft flog auf, als die Galeristin das Mosaik mit großem Profit an das Getty-Museum weiterverkaufen wollte. Ein Gericht in Indianapolis verurteilte die Frau zur Rückgabe des Mosaiks. Heute wird das Mosaik im byzantinischen Museum von Lefkosia ausgestellt, wo bald auch die Darstellung des Apostel Thomas wieder zu finden sein dürfte.

Quelle: Botschaft Der Republik Zypern, Presseabteilung

Μάρτιος 2025

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