Foto: ELLINIKI GNOMI

Wussten Sie, dass die bayerische Hymne die erste Nationalhymne Griechenlands war?

Als erster König von Griechenland fungierte nämlich Otto von Wittelsbach aus Bayern (1815-1867). Auch die blau-weiße Farbgebung der griechischen Fahne geht auf die Farben der Flagge Bayerns zurück.

Otto, der Sohn Ludwigs I. von Bayern, wurde 1832 nach dem griechischen Sieg im Unabhängigkeitskrieg gegen die Türken mit Zustimmung der Großmächte von der griechischen Nationalversammlung zum König gewählt. Bayerische Beamte führten für den minderjährigen König bis 1835 die Regentschaft.

Auf den damals 17-jährigen bayerischen Prinz Otto fiel die Wahl, denn Bayerns König Ludwig war Europas größter Griechenland-Fan und unterstützte bayerische Freiwillige im Unabhängigkeitskrieg. Der letzte türkische Kommandant der Athener Akropolis, Osman Effendi, kapitulierte 1833 sogar vor einem bayerischen Offizier namens Christoph Neezer.

Auf Ludwigs Griechenland-Liebe geht die Gräzisierung des Landesnamens „Baiern“ zurück: Seit seinen Zeiten wird es mit Ypsilon, also „Bayern“, geschrieben.

1833 landete Otto in Nauplia, freudig begrüßt von der Bevölkerung, die nun ein Ende der Revolutionskriege erhoffte.  Das Küstenstädtchen wurde erste Hauptstadt Griechenlands. Hier wurde das erste Gymnasium gegründet, das heute das Rathaus ist, und hier wurden Pläne für das neue griechische Staatswesen entwickelt. Noch heute besteht eine Städtepartnerschaft Nauplias mit dem bayerischen Ottobrunn, das sich nach dem Bayernkönig benannte.

1835 verlegte König Otto die Hauptstadt von Nauplia nach Athen, das um diese Zeit etwa 8000 Einwohner zählte, und wohnte dort zunächst in einem kleinen Bürgerhaus – heute das Museum der Stadt Athen. Dieses bescheidene Bürgerhaus konnte auf Dauer keine standesgemäße Bleibe sein. Im Jahre 1843 war dann ein Königsschloss gebaut, das heute als Parlamentsgebäude dient. Vor dem Parlamentsgebäude paradiert die Wache noch heute in jener Uniform, die König Otto persönlich entworfen hat.

Die berühmte Akropolis wäre ohne Otto und seinen Architekten Leo von Klenze kaum mehr als ein Steinhaufen – es waren die Bayern, die das hemmungslose Räubern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beendeten und eine erste Restaurierung vorantrieben. Auch ihre Universität verdankt die Stadt Athen dem König aus Bayern.

Der katholische Bayernprinz lernte Griechisch und besuchte regelmäßig den griechisch-orthodoxen Gottesdienst, um seinen neuen Landsleuten zu zeigen: Ich will nicht nur herrschen, ich will zu euch gehören.

Das Ende von Otto I. in Griechenland ist nicht so erfreulich wie der Anfang. 1862 wird er unblutig gestürzt und muss das Land verlassen. Die Griechen nehmen sich dann allerdings wieder einen König aus einem deutschen Fürstenhaus (Georg I. aus der in Dänemark regierenden Familie Holstein).

 

Quelle: Buch «Made in Germany»/Herder-Verlag (www.amazon.de/dp/3451057840)