Die Elliniki Gnomi im Gespräch mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf Dirk Elbers

Ein Interview über das Leben der Griechen in Düsseldorf und die langjährige deutsch-griechische Freundschaft

Von Georgia Kostakopoulou

Foto: Düsseldorf mit Blick auf den Rhein, © Landeshauptstadt Düsseldorf

Elbers: Das griechische Leben in Düsseldorf ist sichtbar und das freut mich

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Dirk Elbers, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf.
© Landeshauptstadt Düsseldorf

Der geborene Düsseldorfer Dirk Elbers steht Rede und Antwort zu wirtschaftlich-politischen Fragen sowie den Chancen, die diese weltoffene und international geprägte Metropole im Herzen Europas bietet.

Nach seiner sechsjährigen Amtszeit, kandidiert er ein weiteres Mal für die Oberbürgermeisterwahlen 2014. Gewählt wird am 25. Mai und Elbers hat für Düsseldorf noch viel vor. Dabei sind für ihn der soziale und gesellschaftliche Frieden der Stadt wichtige Aspekte und er möchte mit weiteren Projekten die fortschreitenden Entwicklungen ankurbeln.

 

 

Herr Elbers, Düsseldorf ist eine multikulturelle Stadt mit fast 600.000 Einwohnern. Ungefähr 10. 000 Einwohner machen den griechischen Bevölkerungsanteil aus. Diese zählen damit, nach den türkischen Einwohnern, zur zweit stärksten Bevölkerungsgruppe. Wie würden Sie das Leben der Griechen in Düsseldorf charakterisieren?

Die griechischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind längst ein Teil des Düsseldorfer Lebens und der Gesellschaft. Die meisten von ihnen arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen vom Verwaltungsangestellten bis zum Arzt, vom Arbeiter bis zum Akademiker. Auch die griechische Tradition, Kultur und Religion ist in Düsseldorf präsent. Die griechisch-orthodoxe Kirche, ein griechischer Kindergarten, griechische Schulen bis hin zu verschiedenen Vereinen, die den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch fördern. Kinder haben in Düsseldorf die Möglichkeit, die Grundschule sowie die Mittelstufe an der griechischen Schule zu absolvieren. Das griechische Leben in Düsseldorf ist sichtbar und das freut mich.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass die Stadt von vielen Griechen bevorzugt wird und sind Ihnen Schwierigkeiten bekannt mit denen die dortigen Griechen konfrontiert werden?

Düsseldorf ist eine internationale, weltoffene Stadt. Menschen vieler Kulturen und Religionen leben in der Landeshauptstadt und sind eine Bereicherung. Ich glaube, neben der wirtschaftlichen Stärke und der zentralen Lage in Europa, schätzen viele das besondere rheinische Flair und die hohe Lebensqualität in unserer Stadt. Hinzu kommt die offene und gastfreundliche Mentalität der Düsseldorfer selbst. Hier werden aus Fremden schnell Freunde.

 

Welche Möglichkeiten bietet die Stadt dieser Bevölkerungsgruppe?

Die griechischen Bürgerinnen und Bürger haben, wie alle EU-Bürger, einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt und können sich in Deutschland niederlassen. Dabei gibt es viele Angebote der städtischen Verwaltung, die das Ankommen in Düsseldorf erleichtern und bei verschiedenen Vorhaben, beispielsweise bei der Gründung einer Existenz, unterstützen. Angefangen von Integrations- und Sprachkursen, die kostenlos und für unterschiedliche Bedürfnisse angeboten werden, über vielfältige Bildungseinrichtungen, bis hin zu internationalen Seminaren in englischer Sprache und individueller Betreuung der Wirtschaftsförderung für internationale Unternehmer, Gründer und Selbstständige. Als internationaler Wirtschaftsstandort mit einer der erfolgreichsten Messegesellschaften und einem internationalen Flughafen, bietet Düsseldorf viele Möglichkeiten seinen Lebensunterhalt zu bestreiten – als Angestellter, Facharbeiter oder Selbstständiger.

 

Welche Maßnahmen unternimmt die Stadt Düsseldorf, um den Schwierigkeiten der ausländischen Mitbürger entgegenzuwirken, insbesondere im Bezug auf die griechischen Mitbürger?

Die Mitarbeiter der kommunalen Ausländerbehörde sind sehr engagiert für die Anliegen ausländischer Mitbürger. Besondere Schwierigkeiten, die nur die griechischen Mitbürger betreffen, stellen wir zum Glück nicht fest. Die zuvor beschriebenen Maßnahmen sowie die aktive griechische Gemeinde erleichtern neu ankommenden Mitbürgern natürlich den Start in ihrer neuen Heimat.

 

Herr Oberbürgermeister, wie sehen Sie die deutsch-griechischen Beziehungen?

Heute leben knapp 300. 000 Griechen in Deutschland und jeder zehnte Grieche hat im Laufe seines Lebens für längere Zeit in Deutschland gelebt. Die in Düsseldorf lebenden Griechen haben sich bemerkenswert gut und oft auch sehr erfolgreich in die Gesellschaft integriert. Trotz mancher subjektiven Wahrnehmung der durch die Wirtschaftskrise ausgelösten Berichterstattung in den Medien, schauen Griechenland und Deutschland auf viele freundschaftlich geprägte Jahre zurück, insbesondere auch in internationalen Fragen und bei den Grundsatzfragen der Europäischen Union. Im Rahmen der 2010 gegründeten „Deutsch-Griechischen Partnerschaft“ (DGP) finden zahlreiche Kooperationen statt. Dazu zählen beispielsweise ein deutsch-griechisches Forschungsprogramm, Projekte im Bereich beruflicher Bildung oder Mediendialoge. Hinzu kommt das Engagement deutscher Experten im Rahmen der  EU-Taskforce Griechenland, zur Unterstützung des Reformprozesses vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Lokalverwaltung und Erneuerbare Energien. Dies ist ein weiterer Beleg für langfristig angelegte gute Beziehungen.

Ich habe Verständnis für die Sorgen der Menschen, die jenseits der politischen Entscheidungen im Zuge der Wirtschaftskrise direkt betroffen sind. Im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern aus Düsseldorf stelle ich zum Glück immer wieder fest, dass die Positionen auf beiden Seiten bei Weitem nicht so verhärtet sind, wie es uns die Medienberichterstattung in den vergangenen drei Jahren glauben lassen will. Besonders mit Blick auf die Menschen, herrscht auf beiden Seiten ein großes Maß an Verständnis füreinander. Daher bin ich auch guter Dinge, dass sich die gefühlte und medial verstärkte Anspannung in den kommenden Monaten wieder legen wird.

 

Im Jahr 2012 wanderten etwa 1 Millionen Menschen nach Deutschland aus. Zwei Drittel der Einwanderer kommen aus den Ländern der Europäischen Union, darunter auch viele Griechen. Kann Deutschland mit dieser großen Zahl an Zuwanderung umgehen? Wie würden Sie diese neue Generation beschreiben und können diesen Menschen Arbeitsplätze garantiert werden?

Düsseldorf ist eine international geprägte Metropole im Herzen Europas. Zuwanderer aus der ganzen Welt prägen an vielen Stellen auch das Bild in den einzelnen Stadtteilen. So wie zum Beispiel die japanische Gemeinde rund um die Immermannstraße oder die italienische Gemeinde in Gerresheim. Griechische Staatsangehörige haben, ebenso wie die Bürgerinnen und Bürger der weiteren Mitgliedstaaten der Europäischen Union und ihre Familienangehörigen, das grundsätzliche Aufenthaltsrecht, wenn sie hier arbeiten, hier selbstständig erwerbstätig sind oder zum Beispiel als Studierende oder Rentner ihren Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln bestreiten können. Da ist Deutschland, als Mitglied der Europäischen Union, an die europäische Freizügigkeit gebunden. Gleiches gilt auch für den Arbeitsmarkt: Grundsätzlich ist der Zugang zum Arbeitsmarkt uneingeschränkt und für alle freizügigkeitsberechtigten EU-Bürger offen. Das bedeutet aber auch, dass die für deutsche Staatsangehörige geltenden berufsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden oder bei Selbstständigen die erforderlichen Genehmigungen vorliegen müssen. Eine Garantie für einen Arbeitsplatz gibt es natürlich nicht, aber in einer prosperierenden Großstadt mit vielen gut aufgestellten, international agierenden Unternehmen, gibt es einen hohen Grundbedarf an gut ausgebildeten Fachkräften.

 

Vor einigen Jahren wurde durch Bundeskanzlerin Merkel und dem damaligen Ministerpräsidenten Griechenlands Papandreou die Deutsch-Griechische Vereinigung ins Leben gerufen. Seitdem finden viele Treffen statt, die beide Länder zusammenführen und wo über Punkte der Zusammenarbeit diskutiert wird. Vor allem findet ein Austausch zu Themen der kommunalen Verwaltung, den Problemen mit der Müllversorgung und Recyclingmethoden, wichtige Ansätze zur Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere in Griechenland sowie Themen zur Wirtschaft und Tourismus statt. Wie sehen Sie diese Initiative und glauben Sie, dass zukünftig die deutsch-griechischen Beziehungen vertieft werden können? Könnte auch die Stadt Düsseldorf ihren Beitrag zu einem solchen Austausch leisten?

Ich halte die Deutsch-Griechische Vereinigung für ein gut funktionierendes Instrument, um den gemeinsamen Austausch beider Länder auf allen Ebenen zu fördern. Da wir in Düsseldorf eine starke griechische Gemeinde haben, die auch über entsprechende Netzwerke in ihre Heimat verfügt, besteht auf der Ebene der Bürgerinnen und Bürger bereits ein intensives Miteinander. Auch innerhalb der griechisch-orthodoxen Gemeinde, der griechischen Bildungseinrichtungen sowie im Umfeld der deutsch-griechischen Vereine werden der Austausch und das Miteinander aktiv gelebt. Ich persönlich stehe im regelmäßigen Kontakt mit dem griechischen Generalkonsul in Düsseldorf, Grigorios Delavekouras.

 

Düsseldorf zählt zu den bekanntesten Modestädten Deutschlands. Vor der Krise in Griechenland existierten auch dort Betriebe für die Produktion und Kreation von Mode. Diese bestanden besonders aus mittelständischen Betrieben, die auch nach Deutschland exportierten. Davon sind nur wenige übrig geblieben, welche weiterhin um ihre Existenz bangen müssen. Sehen Sie an dieser Stelle einen Ansatz gegeben, der für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Griechenland in diesem Bereich spricht?

Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist der umsatzstärkste Modestandort in Deutschland und bietet im Rahmen der halbjährlichen Ordertage eine Plattform für internationale Modefirmen, ihre Produkte dem Fachpublikum zu präsentieren. Die Mitarbeiter der städtischen Wirtschaftsförderung unterstützen darüber hinaus auch internationale Modefirmen gerne bei der Etablierung eines dauerhaften Showrooms oder der Gründung einer Filiale in Düsseldorf. Ich kann die griechischen Modefirmen nur einladen, sich am Modestandort Düsseldorf zu engagieren und die ganzjährige Branchenpräsenz zu nutzen, um für ihre Produkte zu werben.

 

Düsseldorf ist zudem eine bekannte Messestadt. Hatte die ökonomisch- wirtschaftliche Krise des Südens Ihrer Meinung nach eine nachteilige Wirkung auf die Messen Düsseldorfs? Nehmen heute die griechischen Unternehmen in der gleichen Präsenz an den Messen teil wie in den Jahren zuvor?

Gerade Messen haben in Krisenzeiten eine besondere Bedeutung für die produzierende und exportierende Wirtschaft. Die Düsseldorfer Messen verstehen sich dabei als Exportplattformen, die den Unternehmen die Tür zu den Weltmärkten öffnen. Die Mitarbeiter der Messe Düsseldorf haben dies gegenüber griechischen Unternehmen intensiv kommuniziert, mit dem Ergebnis, dass die Messe einen starken Anstieg griechischer Beteiligungen an fast allen Veranstaltungen verzeichnet. Bei einigen Messen haben sich die Ausstellerzahlen aus Griechenland verdoppelt oder gar verdreifacht, wie zum Beispiel bei der jährlich stattfindenden Medizintechnikmesse MEDICA. Bis 2010 gab es eine regelmäßige, griechische Beteiligung von sieben oder acht Unternehmen. Im letzten Jahr stellten über zwanzig Firmen aus Griechenland auf der MEDICA aus. Auch für die Verpackungsmesse interpack lässt sich dieser Trend ablesen: Vor drei Jahren waren es vierzehn Aussteller aus Griechenland, für dieses Jahr erwartet die interpack über 25 griechische Unternehmen. Diese Entwicklung zeigt, dass losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Situation Griechenlands, griechische Unternehmen die Möglichkeiten nutzen, sich auf internationalen Leitmessen in Düsseldorf zu präsentieren und so neue, internationale Kunden und Partner für ihre Produkte generieren. Dieser Zuwachs griechischer Aussteller ist dabei auch eine Folge der intensiven Beratung und Betreuung der internationalen Aussteller bei der Messe Düsseldorf, die die Aussteller von der Planung bis zur erfolgreichen Umsetzung ihres Messeauftrittes umfassend unterstützen.

 

Welche Möglichkeiten könnten im Exportbereich gefunden werden, um besonders den mittelständischen griechischen Unternehmen den Zugang zum deutschen Markt erleichtern zu können? Dabei ist zu bedenken, dass viele kleinere Betriebe in diesem Bereich besonders ihre Schwierigkeiten damit haben, da ihre ökonomischen Kapazitäten verhältnismäßig gering sind. Könnte in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens für diese Unternehmensgruppe eine wirtschaftliche Kooperation stattfinden –  was schlagen Sie vor?

Griechische Unternehmer sind seit je her in Düsseldorf willkommen. Dabei unterstützen wir über die bereits geschilderten Service-Angebote der Wirtschaftsförderung internationale Unternehmer bei ihrem Markteintritt. Das Angebot reicht von Beratung zum Thema Existenzgründung, über Hilfe bei der Beschaffung von Genehmigungen bis hin zu Tipps bei der Suche nach einer geeigneten Gewerbefläche. Die Experten der Wirtschaftsförderung kennen den Düsseldorfer Markt zudem sehr genau und stehen griechischen Unternehmern besonders in der Anfangsphase gerne auch mit Branchenkontakten zur Seite. Ich kann mich nur wiederholen und griechische Mittelständler einladen, Düsseldorf als zentralen Standort für den europäischen Markt kennen zu lernen und zu prüfen, ob auch ihr Geschäft hier erfolgreich sein kann.

 

Bald stehen die nächsten Kommunalwahlen an, möchten Sie wieder für Düsseldorf  kandidieren, wenn ja mit welchen Zielen?

Ich habe für die Landeshauptstadt Düsseldorf in den vergangenen sechs Jahren bereits vieles erreicht, doch ich habe noch viel vor und kandidiere deshalb auch bei der anstehenden Wahl am 25. Mai. Städte müssen sich weiter entwickeln, die Kräne müssen sich weiter drehen. Nach der Fertigstellung von Großprojekten wie Kö-Bogen und Wehrhahn-Linie werden wir den Bereich der Schadowstraße über die Immermannstraße bis zum Bahnhof weiter entwickeln. Wir haben viele Wohn- und Konversationsprojekte. Es steht ein weiterer Ausbau des Hafens an mit neuen kreativen Ideen. Wir werden ein neues Ballett-Probenhaus bauen und den Steinberg zu einem Kreativstandort mit Künstlerateliers und kunstaffinem Wohnen ausbauen. Mein Ziel ist, mittelfristig eine Betreuungsquote von 60 Prozent für die Unter-Dreijährigen zu erreichen. Wir haben über 180 Schulen in Düsseldorf, die wir auch in Zukunft gut ausstatten wollen. Aber auch der soziale und gesellschaftliche Frieden in der Stadt ist mir wichtig. Wohlfahrtsverbände wie viele Tausende Ehrenamtliche sind wichtige Säulen unserer Gesellschaft.