Ein Augenblick! Vier junge griechische Künstler

10. November bis 22. Dezember 2012

Eröffnung am Freitag, 9. November ab 18:00 Uhr

 

Ein Augenblick! ist eine Momentaufnahme aus den Ateliers vier in Thessaloniki lebender, junger Künstler. Sie wurden ausgewählt durch den Kurator Apostolos Palavrakis, der sowohl durch seine eigene langjährige künstlerische Arbeit als auch seine griechische Herkunft besonderen Einblick in diese Künstlerszene erhält, und die künstlerische Entwicklung der vier Protagonisten über Jahre hinweg verfolgt und betreut hat. Anläßlich der Ausstellung werfen sie nun unterschiedliche Aspekte und Interpretationen zum Begriff der „Zeit“ auf. Unter diesem Leitthema zusammengestellt, breiten sie ein Spektrum herausragender Arbeiten in unterschiedlichster Technik aus, auf Leinwand, als Miniatur-Bleistiftzeichnung, als großformatige Tuschen, Collagen und Skulptur.

Nikos Aslanidis (Jg. 1980) beschäftigt sich mit einem Aspekt der Zeit, der schwer darstellbar ist, nämlich dem Zeitfluss. Seine Figuren scheinen wie in das Bild hineinprojeziert; sie verschmelzen nicht mit dem Raum und sind auch nicht in der Zeit verortet. Sie zeigen den Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein als Metamorphose. Anscheinend tragen sie mehrere Identitäten in sich, die aber voller Dissonanzen und Differenzen sind. Allesamt sind sie Figuren in komplexen Identitätsbewegungen, die einen „Zustand des Fluiden“ aufweisen (Palavrakis).

In ganz anderer Weise, nämlich mit Vergangenheit als Teilaspekt von Zeit, beschäftigt sich Dimitris Ameladiotis (Jg. 1979). Er führt Alltagsgegenstände, meist kleinteiligste Gebrauchsgüter, auf ungewöhnliche Weise wieder zusammen:
Diese scheinbar willkürliche Zusammenführung der Bestandteile hebt zum einen ihr Nutzungsverhältnis auf, zum anderen erfahren sie eine Umwandlung bezüglich ihrer Integrität, indem ihre bisher sekundären Eigenschaften, z.B. Farbe oder Textur an die Stelle der Funktion in den Vordergrund gesetzt werden. Bemerkenswert ist dabei, dass der Blick des Betrachters durch die Kleinteiligkeit und teilweise Offenheit derSkulpturen weg von der Oberfläche ins Innere des Kunstwerks gelenkt wird.

Wie bei Ameladiotis spielt auch in den Arbeiten von Anastasis Stratakis (Jg. 1985) die Umwidmung von Dingen eine Rolle. Wo diese bei Ameladiotis durch Kombination von Gegenständen erreicht wird, vollzieht sich die Umwidmung bei Stratakis durch Erinnerung. Er untersucht das individuelle und das kollektive Gedächtnis und deren Wechselbeziehungen. Stratakis konfrontiert den Betrachter mit seiner gewohnten Wahrnehmung und seinem gewohnten Verständnis zeitlicher und historischer Relevanz und setzt diese in neuen Zusammenhang. So bekommen Portraits herausragender Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts Affenköpfe oder sie werden als winzige Miniaturen degeneriert. Die Erinnerung selbst wird zum Thema und deren Verlässlichkeit mit Humor infrage gestellt. Stratakis benutzt also die Zeit lediglich als Hintergrund, in dem er fiktive Historien konstruiert.

Alkis Boutlis (Jg. 1978) rückt in seinen Werken einen Zwischenzustand in den Vordergrund, den Moment vor dem Tod. Er hält einen vermeintlichen Lauf der Dinge für einen Moment an und lässt ihn im Bild „erstarren“. Boutlis bedient sich einer romantischen Formsprache des 19. Jahrhunderts. Die Einbeziehung von Eisbergen und arktischen Landschaften ruft beispielsweise direkte Assoziationen an Caspar David Friedrichs Bild „Das Eismeer“ oder dessen „Wanderer über dem Nebelmeer“ hervor. Neben Elementen des Phantastischen integriert Boutlis vor allem Darstellungen von Köpfen (Portraits) in seine Bilder. Geprägt von einer klassischen Symbolik für Vergänglichkeit und Tod werden sie zu monströsen Gestalten und Totenköpfen. Der Thematik des Todes werden jedoch auch auch andere wiederkehrende Sujets zur Seite gestellt wie etwa das Symbol des Vogels in einer eher surrealistischen, teils erotisch aufgeladene Formsprache, die an Max Ernst erinnert.

Die Gruppenausstellung Ein Augenblick! ist die zweite einer neuen Serie von Ausstellungen bei Beck & Eggeling, die junge Künstler vorstellt, welche noch nicht durch eine Galerie vertreten werden. Mit Mehr als nur ein Schuss, Arbeiten aus der Klasse der HGB Leipzig von Prof. Heribert Ottersbach, war dieses Format im Jahr 2011/12 sehr erfolgreich ins Leben gerufen worden.

Es erscheint ein Katalog mit einem Text von Apostolos Palavrakis.
(Der Pressetext beeinhaltet gekürzte und leicht veränderte Passagen aus dem
Katalogbeitrag von Apostolos Palavrakis).

Weitere Informationen, Bildmaterial und den Katalog „Ein Augenblick!“
erhalten Sie von:
Dr. Antonia Lehmann-Tolkmitt
Beck & Eggeling, Bilker Straße 4-6, 40213 Düsseldorf
antonia@beck-eggeling.de, Tel: 0211 – 210 79 10 oder 0151 – 270 96 232