IBAG: Von Zürich und Lindlar in die ganze Welt

Ein Interview der ELLINIKI GNOMI mit dem Gründer und Inhaber der IBAG Deutschland GmbH, Markos Damigos.

Damigos, in Piräus geboren, ging nach dem griechischen Abitur nach Aachen, wo er ein Studium in Maschinen- und Schiffbauingenieurwesen absolvierte. Nach acht Jahren bei den Thyssen Nordseewerken übernahm er den europäischen Vertrieb eines großen japanischen Unternehmens. Seit 1992 ist er selbständig. Im Jahr 1996 gründete er IBAG Deutschland, den deutschen Part des international wirkenden Unternehmens mit Sitz in Zürich. MA_Damigos, Markos (4)

Elliniki Gnomi: Beschreiben Sie uns kurz Ihr Unternehmen IBAG und die Schwerpunkte Ihrer Arbeit.

Damigos: IBAG ist der Partner der Industrie für High Speed Performance. Unsere Spindel bietet der Industrie weltweit die Komplettlösung zum Drehen, Fräsen oder Schleifen aus einer Hand. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich (Schweiz) gründete 1998, aufgrund der wachsenden Absatzmärkte in Deutschland, eine Niederlassung in Gummersbach. Im Jahr 2000 zogen wir nach Lindlar in neue Fertigungshallen. Ich bin froh, dass 2005 mein Sohn Manthos ins Unternehmen eingestiegen ist und so die Nachfolge sichert. Mit Niederlassungen sowie Vertriebs- und Servicepartnern weltweit, ist IBAG ein Pionier auf seinem Gebiet und führender Hersteller von Hochfrequenz-Motorspindeln für die zerspannende und formgebende Industrie. Die von uns selbst entwickelten, konstruierten und zu 95 % am Standort Lindlar produzierten Spindeln, werden sowohl in der Nano-, Mikro-, Dental-, Medizin-, als auch in der Automobil-, Schiffbau- und Flugzeugindustrie eingesetzt. Ob Airbus oder BMW, ob Knie- oder Hüftprothese, ob Fenster- oder Kranbau, ob Brille oder Laptop, überall sind IBAG-Spindeln im Einsatz. Für IBAG sind über 150 Mitarbeiter weltweit tätig.

Elliniki Gnomi: Sie sind inzwischen in Deutschland etabliert und haben enge Verbindungen zu Ihrem Standort. Ist die Tatsache, dass sie Grieche sind ein Hindernis dabei gewesen?

Damigos: In der hochtechnologischen und innovativen Branche, in der IBAG tätig ist, spielt die Nationalität oder die Staatsangehörigkeit überhaupt keine Rolle. Hier zählen allein das Know-how, die Kompetenz mit der dazugehörigen Transparenz und dem notwendigen Vertrauen. Das waren und sind die Faktoren, die zum Erfolg eines jeden Unternehmens führen.

Elliniki Gnomi: Ausbildungen in Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle. Bilden Sie aus?

Damigos: Ja, wir bilden aus. Aus dem gleichen Grund wie vorher erwähnt, denn durch unsere hohen technologischen Standards finden wir auf dem freien Markt keine entsprechenden Fachleute. Wir müssen unser Personal selber ausbilden. Abgesehen davon, wird in diesem Berufszweig keine qualifizierte Ausbildung angeboten. Ingenieure oder andere Hochschulabsolventen sind als Maschinenprogrammierer und /oder Bediener überqualifiziert.

Elliniki Gnomi: Mit Ihrem Unternehmen sind Sie Teil des inzwischen weltbekannten „German Mittelstand“. Würden Sie sich so einen starken und demokratisch gesinnten Mittelstand wie in Deutschland auch für Griechenland wünschen?

Damigos: Das wäre sicherlich toll. Das wäre aber vor allem die Rettung Griechenlands!

Elliniki Gnomi: Sie engagieren sich in vieler Hinsicht auch gesellschaftspolitisch. Ist das etwas, das zum unternehmerischen Handeln von heute gehört?

Damigos: Heute ist es sogar ein „Muss“ dazu zu gehören. Nicht nur allein wegen der Kontakte, sondern auch um die rasante Entwicklung der Märkte in dieser globalisierten Welt rechtzeitig zu erfahren, um Synergien zu schaffen und Kooperationen aufzubauen.

Elliniki Gnomi: Was wären für Sie die TOP-Themen, die die DHW künftig gegenüber der Politik im deutsch-griechischen Verhältnis ansprechen sollte?

Damigos: Respekt, Vertrauen, Offenheit, Loyalität, Fairness.

Elliniki Gnomi: Erfolgreiche bzw. vorbildliche Unternehmer / Freiberufler / Manager in der DHW, die neue Ideen entwickeln und weitertragen, …

Damigos: … streben nach einem fairen Ausgleich der Interessen. Ein Unternehmer kann ohne Investoren und ohne Mitarbeiter nicht existieren und ebenso kann er nicht auf Kunden verzichten. Alle werden gebraucht und „alle sitzen in einem Boot“. Man darf aber gleichzeitig nicht vergessen, dass alle diese Gruppen nicht unbedingt die gleichen Interessen haben.

Elliniki Gnomi: Haben Sie Pläne, einen Teil oder eine Zweigstelle Ihres Unternehmens nach Griechenland zu verlagern? Welche Veränderungen in Griechenland könnten Sie eventuell dazu bewegen?

Damigos: Das ist mit schmerzlicher Erfahrung und größtenteils finanziellen Verlusten schon gescheitert. Es müssten wesentliche strukturelle und gesetzliche Reformen stattfinden und ein Mentalitätswechsel erfolgen. Das griechische Volk muss endlich einsehen, dass die Unternehmer keine Klassenfeinde sind. Das gesunde Unternehmertum gehört zu einer Demokratie und dient dem sozialen Frieden.

Elliniki Gnomi: Was bringt Ihnen die Mitgliedschaft in der DHW? Würden Sie weiteren Unternehmern / Managern / Freiberuflern empfehlen beizutreten?

Damigos: Im deutsch-griechischen Verhältnis muss heute mehr denn je etwas bewegt werden. Das kann man nur als Kollektiv erreichen, auch wenn es mühsam ist, da Deutschland so groß und dezentral organisiert ist. Trotzdem ist es eine schöne Herausforderung. Die DHW hat in ihrer über

20-jährigen Geschichte erreicht eine wirtschaftlich orientierte soziokulturelle Plattform aufzubauen. Zudem haben sie ein deutsch-griechisches Wirtschaftsnetzwerk geschaffen, das sich aktiv und erfolgreich für die Erhaltung und den Ausbau der über 100 Jahren währenden deutsch-griechischen Wirtschaftsbeziehungen einsetz. Gleichzeitig zeigt sie mit den vielen verschiedenen Projekten für die berufliche Bildung, die Hilfestellung für Schüler und Studenten beim Übergang zur Arbeits- und Berufswelt sowie die Vermittlung von Arbeits- und Praktikantenplätze für Arbeitslose und Neumigranten, dass sie ihren sozialen und gesellschaftlichen Auftrag kennt und ernst nimmt. Ich würde jedem griechischstämmigen Unternehmer und Freiberufler empfehlen, Mitglied der DHW zu werden. Wenn wir den Hellenismus würdig vertreten möchten, brauchen wir eine zahlenmäßig starke und intellektuell integre Gemeinschaft.