Staatsministerin Maria Böhmer: «Vorwurf von Staatspräsident Gül geht an der Realität vorbei / Deutschkurse im Herkunftsland sind von unmittelbarem Nutzen für die Zuwanderer»

Staatsministerin Maria Böhmer hat die Kritik des türkischen Staatspräsidenten Gül an den Deutschkursen im Herkunftsland mit Nachdruck zurückgewiesen.

«Der Vorwurf von Staatspräsident Gül, der 2007 eingeführte Sprachnachweis für nachziehende Ehegatten widerspreche den Menschenrechten, entbehrt jeder Grundlage. Im Gegenteil: Die Deutschkurse in der Türkei haben sich als hilfreiche Eintrittskarte für den Zuzug nach Deutschland bewährt», betonte Staatsministerin Böhmer.

«Mein Besuch eines Deutschkurses im Goethe-Institut Istanbul in der vergangenen Woche hat erneut gezeigt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurse sind hoch motiviert, weil sie unmittelbar profitieren. Sie sind sich bewusst: Wer schon bei der Einreise über Deutschkenntnisse verfügt, hat in unserem Land einen klaren Startvorteil. Vom ersten Tag an können die Zuwanderer selbstständiger handeln und leichter Kontakte zur einheimischen Bevölkerung knüpfen. Ohne Deutschkenntnisse ist man nur Zaungast in unserem Land. Neben Grundbegriffen der deutschen Sprache vermitteln die Kurse einen Einblick in das Alltags- und Arbeitsleben und in das Bildungssystem in unserem Land. Für die umfassende Integration der Zuwanderer und ihrer Familien ist dies von zentraler Bedeutung. Die Bedeutung der Sprachkurse geht weit über den Erwerb von Deutschkenntnissen hinaus. Die Kursteilnehmer sind sich zunehmend darüber im Klaren: Sie ziehen nicht nur zu ihrem Ehepartner bzw. ihrer Ehepartnerin, sondern wandern nach Deutschland ein. Dieses Bewusstsein ist eine entscheidende Voraussetzung für eine zügige Integration in Deutschland. Für das Gelingen der Integration haben sich die Deutschkurse als unverzichtbar erwiesen», so Böhmer.

«Die Vorwürfe des Staatspräsidenten spiegeln ein zwiespältiges Bild wider: Einerseits fordert der Staatspräsident die türkischen Migranten in Deutschland auf, die deutsche Sprache zu lernen. Andererseits kritisiert er die Sprachkurse in der Türkei, die genau diesem Ziel dienen sollen. Hier sollte sich Staatspräsident Gül mit einer eindeutigen Botschaft für die Integration an die Zuwanderer wenden», forderte Böhmer.

«Die Deutschkurse im Herkunftsland stehen für unseren erfolgreich eingeleiteten Paradigmenwechsel in der Integrationspolitik. Wir haben von der nachholenden Integration zur vorbeugenden Integration umgesteuert. Damit ziehen wir die Konsequenzen aus den Fehlern der vergangenen Jahrzehnte, in denen die Zuwanderer sich selbst überlassen wurden. Unsere Maxime «Integration von Anfang an» kommt den Betroffenen zu Gute und stärkt den Zusammenhalt in unserem Land», betonte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.