Johannes Touloumakos – GÖTTINGER GESCHICHTEN (1963-1971)

Für den griechischen Studenten der ersten Nachkriegsgeneration, der seine Fachausbildung in der Geschichte des griechisch-römischen Altertums in Göttingen machte, ist die Stadt wegen ihrer damals noch die alte humanistische Tradition bewahrenden Universität zur zweiten geistigen Heimat geworden.

In den «Göttingern Geschichten», die er ein halbes Jahrhundert später als Emeritus schrieb, kommt der Universität die erste Stelle zu; vor allem dem durch fachliche Kompetenz, aber auch zeitkritisches Engagement bekannten Althistoriker Alfred Heuss, als dessen Assistent er die Erfahrungen des Umbruchs von 1968 zu teilen hatte.

Gottinger ΟπισθόφυλλοIn den «Geschichten» kommen ferner Fach- und Altersgenossen vor, Zimmernachbarn im einzigartigen «Historischen Kolloquium», die bis heute Freunde des Verfassers sind; einfache Menschen, Männer und Frauen der Kriegsgeneration, die das im Krieg und vorher erlittene Leid trotz der Wohlfahrt des Wirtschaftswunders noch mit sich trugen; Griechische Landsleute, die ihre Heimat wegen akuter materieller Not verlassen mussten; oder aber auch die der Ideologie widersprechende Wirklichkeit des Alltagslebens im sozialisten Osten, darunter auch die (unfreiwillige) Bekanntschaft des Verfassers mit der Stasi.

Da, wo die Sache es erlaubt oder erfordert, fehlt nicht der Humor bzw. die Seltsironie- entsprechend der Einsicht, die die «Geschichten» bestimmt, dass man neben all dem, was die neue Zeit bringt, den Sinn und den Wert von vielem wissen soll, das mit der alten verlorengeht.