Κολωνία: Πενήντα χρόνια ιεροσύνης, καλοσύνης και ανθρωπιάς

Ρεπορτάζ για την ΕΛΛΗΝΙΚΗ ΓΝΩΜΗ : Αλεξία Μυριούνη.

Σε κατανυκτική ατμόσφαιρα στον Ι.Ν Κοιμήσεως της Θεοτόκου στην πόλη της Κολωνίας, στις όχθες του ποταμού Ρήνου, τιμήθηκαν τα πενήντα χρόνια ιεροσύνης του πατέρα Μιχαήλ Σαρρή το φετινό δεκαπενταύγουστο που έφερε τους καρπούς ενός γεμάτου από ζωή και αγάπη ιερατικού έργου.

Στην αρχιερατική δοξολογία χοροστάτησε ο Σεβασμιότατος Μητροπολίτης Γερμανίας και Κεντρώας Ευρώπης κ.κ Αυγουστίνος.

Με την παρουσία τους τίμησαν την ημέρα ο Γενικός Πρόξενος της Ελλάδος στη Βόρεια Ρηνανία Βεστφαλία κ. Γρ. Δελαβέκουρας όπως και πλήθος πιστών και συμπατριωτών μας.alexia1

Μετά την αρχιερατική δοξολογία ακολούθησε στον αυλιακό χώρο του Ναού, δεξίωση μετά μουσικής προς τιμήν του ιερωμένου, όπου όλοι αντάλλαξαν ευχές και μοιράστηκαν στιγμές εσωτερικής θέρμης και ανθρωπιάς.

Μια ημέρα που φώτισε ένα ταξίδι στην πίστη και στην αφιέρωση της ψυχής σε μια ζωή με το Χριστό, μια ζωή στερήσεων, αγώνα και προσφοράς στον συνάνθρωπο μέσα από τα ιδανικά της ορθοδοξίας.

Τον πανηγυρικό της ημέρας προς τιμήν του πατέρα Μιχαήλ Σαρρή συνέταξε ο ιατρός κ. Φαίδων Κοτσαμπόπουλος και εκφώνησε, λόγω της απουσίας του πρώτου, η ιατρός κ. Φωτεινή Ντόντου.

Χορηγοί της ημέρας ήταν το ζεύγος Hohn-Μπικάκη όπως και κάθε πιστός που έφερε παραδοσιακά εδέσματα και γλυκά.

Προσωπικά αισθάνομαι την ανάγκη να ευχαριστήσω τον πατέρα Μιχαήλ για την φιλία και τον καλό του λόγο, που ξεκίνησε από τα φοιτητικά μου χρόνια και αποτέλεσε πυξίδα ζωής, τόσο για μένα όσο για όλους τους συμφοιτητές μου που είχαν την τύχη να βρεθούν κοντά στην πορεία του. Ένα έργο που δεν σταματά αφού η ανθρωπιά και η πίστη στο καλό δεν γνωρίζει όρια….

Παραθέτουμε τον πανηγυρικό της ημέρας που με λόγια καρδιάς μας μιλάει για την πορεία και το έργο του πατέρα Μιχαήλ. 50 Jahre im Dienste der Orthodoxie in Köln

Eure Eminenz Metropolit Augustinos, sehr geehrter, lieber Pater Michail, Eure Exzellenz Herr Generalkonsul Delavekouras, Herr Bezirksbürgermeister …, sehr verehrte Patres der orthodoxen, katholischen und protestantischen Gemeinden …, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder in Christo…

Anlässlich des 50.sten Dienstjubiläums unseres Erzpriesters Pater Michail Sarris wird mir heute – auf seine Bitte hin – die große Ehre zuteil, Ihnen einen Einblick in sein Leben geben zu dürfen, der das Leben dieser griechisch- orthodoxen Kirchengemeinde zu Köln im letzten halben Jahrhundert so maßgeblich geprägt hat.

Das macht mich dankbar und stolz, weil ich zu denen gehöre, die diese Kirchengemeinde nur mit ihm kennengelernt haben. Er hat mich – wie viele andere von uns – in meinem ganzen Leben väterlich begleitet. Die nachfolgenden Zeilen sind eine „Co-Produktion“ meines Kollegen, Phedon Codjambopoulo, der heute leider nicht zugegen sein kann, und mir, die ich den Text ergänzt und überarbeitet habe. Phedon hat die folgenden Zeilen nach einem Interview mit Pater Michail an einem Sonntagmittag zusammengestellt.

Wie kam also unser Pater Michail

Von der Ägäis an den Rhein?

Sein Vater Kapitän Emmanouil Sarris, der sogenannte „Vogel der Meere“ kommt als Kind von der kleinasiatischen Stadt Alikarnassos auf die Insel Kos, wo er als Erwachsener mit seinem Boot dem Beruf des Schwammtauchers nachging, wobei er auch vor den Küsten Libyens und des maghrebinischen Casablanca tauchte. Auf seinen Reisen durch die Meere begegnet Emmanouil der jungen Eftychia auf der kleinen und nur von 2 Familien bewohnten Insel Farmakonissi.

Emmanouil und Eftychia heiraten und ziehen auf die Insel Lipsi, wo Eftychias Mutter lebt. 1940 wird der kleine Michalis dort als eines von sechs Kindern geboren. Er besucht die Grundschule. Doch die kleine Insel wird ihm bald zu eng. Er sehnt sich fort, will im Leben weiterkommen.

Mit 13 Jahren zieht es ihn von Lipsi fort auf die Insel Kalymnos, wo er im Haus seines Onkels, des Apothekers, aufgenommen wird. Michalis besucht 6 Jahre lang das kalymniotische Gymnasium, wo er durch Wissensdurst und Fleiß hervorsticht.

Danach zieht er zu seiner Großtante väterlicherseits auf die Insel Patmos, wo er nach einem weiteren theologischen Lehrjahr das Priesterseminar besucht. Er absolviert alle Schuljahre als Klassenbester, wodurch ihm die Schulgebühren erlassen werden. Seine Mutter Eftychia versorgt ihn von Lipsi aus mit den nötigen Lebensmitteln. Schnell werden ihm im Priesterseminar verantwortungsvolle Aufgaben, wie die Versorgung der Schulküche, übertragen. Später tritt er – der auch durch hervorragende Kenntnisse und stimmliche Fähigkeiten in der byzantinischen Musik überzeugt – als Chorleiter und Vertrauensperson der Schüler eine gut bezahlte Assistentenstelle im Priesterseminar an (1.000 Drachmen im Monat).alexia2

Michalis ist so begabt, eifrig und erfolgreich, dass er sich 1961, mit 21 Jahren traut, an der Aufnahmeprüfung für die theologische Hochschule von Chalki in Konstantinopel teil zu nehmen. Das ist in dieser Zeit kein einfaches Unterfangen. 150 Kandidaten aus berühmten Schulen in ganz Griechenland kämpfen hart um einen der 6 Plätze, die für die angehenden Studenten aus dem griechischen Raum reserviert sind. Zu den Prüfungsfächern gehören Theologie, Philosophie, Geschichte, Altgriechisch sowie auch die Übersetzung von griechischen Texten ins Lateinische. Michalis, der einfache Junge aus Patmos, geht selbstsicher in die Prüfung und erzielt unter den sechs Finalisten das beste Prüfungsergebnis.

Die Zeit in Chalki ist für ihn – trotz Zypernkrise (1963) und den damit verbundenen Repressalien gegen Griechen und Christen in der Türkei – im besten Sinne unvergesslich. Dort lernt er den legendären Bischof Athenagoras als seinen Lehrer kennen, der zu dieser Zeit die Hochschule leitet und später Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel werden soll. Wenn Pater Michail heute mit Tränen in den Augen von dieser Zeit erzählt, dann von den langen theologischen und philosophischen Gesprächen mit seinem Lehrer, dem späteren Patriarchen – von Lehrer zu Schüler, von Vater zu Sohn, von Mann zu Mann.

Da Michalis aus dem griechischen Raum stammt, muss er auch in Griechenland zum Diakon geweiht werden, was am 1. August 1965 in Athen geschieht. Zurück in Chalki fragt ihn Patriarch Athenagoras, wo er sich vorstellen könne, der Kirche zu dienen. Trotz bester Kontakte zum Kirchenfürsten bleibt Diakon Michail bescheiden. Er sucht die Nähe zu jungen Menschen. Er will helfen, trösten, beistehen. In Deutschland bilden sich damals viele neue Gemeinden von jungen Männern und Frauen, die im fremden Land und weit weg von der Heimat ein neues Glück und eine neue Zukunft suchen. Er bittet Patriarch Athenagoras, ihn nach Deutschland zu schicken.

Mit einem herzlichen Empfehlungsschreiben in der Tasche kommt Diakon Michail in Bonn an, wo ihn Metropolit Polyefktos schon nach zehn Tagen, am 12. September 1965, zum Priester weiht.

Am 14. Februar 1968 tritt Pater Michail schließlich die Nachfolge von Pater Antonios Alevisopoulos hier in Köln an und übernimmt die Leitung der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde Kimissis tis Theotokou (Entschlafung der Gottesgebärerin). Dieser, unserer Gemeinde, wird er fortan treu dienen. Einer Gemeinde, die in den Anfangsjahren nicht nur auf Köln begrenzt war, sondern zu der auch Troisdorf, Siegburg, Eitorf, Wesseling und Brühl gehörten. Zentraler Gebetsort ist anfangs die dem Patronat des Hl. Johannes und der Hl. Maria Magdalena unterstellte und 1245 geweihte Kapelle auf dem berühmten Melaten-Friedhof in Köln-Lindenthal. Wegen des raschen Wachstums der Gemeinde und der „speziellen“ Lage der Melatenkapelle im berühmten Friedhof, entsteht bald der Bedarf nach einem größeren und repräsentativeren Gotteshaus. Nach unermüdlichen Bemühungen erfüllt sich dieser Herzenswunsch von Pater Michail schließlich im Jahre 1994. Unter Mitwirkung unseres ehrwürdigen Metropoliten Augustinos, des damaligen, griechischen Generalkonsuls in Köln, Herrn Karakassis, engagierten Bürgervertretern, der damaligen Stadtväter Kölns sowie Dank der großen Unterstützung des Kölner Erzbistums, wird dieses Gotteshaus, Alt St. Heribert, nach fachmännischer Restaurierung, am 3. November 1994 von Kardinal Meissner höchstpersönlich an die griechisch-orthodoxe Gemeinde übergeben. Für Pater Michail ist dieser Tag ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Meilenstein seiner Amtszeit in Köln. In das „neue“ Gotteshaus passen nicht nur viel mehr Gläubige hinein, sondern es befindet sich auch an einem der historischsten und attraktivsten Plätze Kölns. Sie brauchen nur vor das Kirchentor zu treten und an einem sonnigen Abend gen Westen zu schauen. Nirgendwo geht in Köln die Sonne schöner unter.

Und dieses Gotteshaus ist mit dem Griechentum Kölns schon viel länger verbunden als vielen von Ihnen vielleicht bewusst ist. Alt St. Heribert wurde nämlich als Benediktinerkloster 1003 vom Kölner Erzbischof Heribert gegründet. Jenem Heribert, der ein enger Berater des Kaisers Otto des III., des Sohnes von Otto dem II. und der byzantinischen Prinzessin Theophanu war, die aus Konstantinopel stammte und hier in Köln, in St. Pantaleon ihre letzte Ruhestätte fand. Ihr Sohn, Otto der III. hatte auf seinem Sterbebett dem damaligen Erzbischof Heribert das Versprechen abgerungen, hier ein Kloster zu Ehren der Heiligen Maria zu gründen. Erstaunlicher Weise fügt sich nun auch das heutige Patronat in diesen geschichtlichen Kontext ein.

Über Pater Michail gibt es aber noch mehr zu berichten. In den Jahren 1976 bis 1986 seiner Priesterzeit in Köln ist er auch Religionslehrer und einer der führenden Mitstreiter beim Aufbau des hiesigen, griechischen Gymnasiums und Lyzeums. Er sorgt für die Weitergabe der griechischen Sprache und Kultur. In der Zeit der griechischen Militärjunta gehört er zu denen, die sich dem Diktat des Militärattachés im benachbarten Bonn nicht beugen wollen und es vehement ablehnen, Andersdenkende Gemeindemitglieder zu verraten. Er wird beobachtet, ausspioniert, verfolgt. Doch die Kölner Polizeibehörden und treue Gemeindemitglieder schützen ihn bis zum Ende dieser dunklen Zeit. Pater Michail ist ein ausgezeichneter Kenner und Könner der byzantinischen Musik. Die Gemeinde ist in all den Jahren bei jedem Gottesdienst in den Genuss seiner musikalischen Fähigkeiten gekommen. Außer den liturgischen Aufgaben in der Gemeinde ist er Beichtvater, übernimmt Aufgaben eines Sozialarbeiters und Psychologen. Er besucht seine Gemeindemitglieder in Krankenhäusern und Gefängnissen, nimmt ihnen die Beichte ab, spendet Ihnen die Kommunion, tröstet und ermutigt sie. Studenten und Auszubildende, die aus Griechenland nach Köln kommen, hilft er eine Bleibe zu finden, entweder vorübergehend in der Kirchenherberge oder in der Papst-Johannes-Burse. In der Bahnhofsmission ist er ein bekanntes Gesicht. Zu jeder Tages- und Nachtzeit ist er zur Stelle, wenn Durchreisende ohne Geld da stehen.

Fragt man Pater Michail nach dem Leben der orthodoxen Gemeinde in Deutschland so teilt er dieses in drei Epochen auf.

Die erste Epoche bis 1970. Es ist die Zeit der ersten Migration und des Aufbaus der ersten griechisch-orthodoxen Gemeinden. Es ist auch die Zeit der vielen Probleme: mit der Sprache, mit der Lebensumstellung, mit der Arbeit, mit der Sehnsucht nach der Heimat. Viel Trauer, viele Tränen, viel Elend. Die Kirche ist der Ort des Trostes und der Begegnung. So blühen die Kirchengemeinden in Deutschland auf. Junge Leute kommen sich in der Fremde näher, verlieben sich. Es ist die Zeit der vielen Trauungen und der vielen Taufen.

Die zweite Epoche ordnet er ein in die Jahre zwischen 1970 und 1980. Die Griechen sind in die deutsche Gesellschaft inzwischen voll integriert. Sozialarbeiter übernehmen die Anteile der bis dahin priesterlichen Arbeit. Es entstehen immer mehr kirchliche und weltliche Gemeinden. Die Metropolie beschäftigt mehr Priester. Es ist die Zeit der Organisation des Griechentums in der Diaspora mit seinen vielen landsmannschaftlichen Vereinen (Pontier, Kreter, Epiroten, Thessalier, Makedonier, etc.), Sportvereinen, Schulvereinen, Akademikervereinen. Die Kirchen geben Teile ihrer Rolle als Orte der Begegnung ab. Zur Sonntagsmesse kommen nicht mehr so viele Gläubige, die ersten Mischehen tauchen auf.

Mit dem Metropoliten Irinaios beginnt die 3. Epoche, die des Aufbaus der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Unser heutiger Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa Herr Augustinos begleitet seinen Vorgänger als Weihbischof in dieser Aufgabe seit 1972 und wird 1980 selbst zum Metropoliten gewählt. Unter ihm erhält die griechisch-orthodoxe Metropolie eine beispielhafte Organisation, den Status einer Anstalt des öffentlichen Rechts, wird zur drittgrößten christlichen Kirche in Deutschland. Die Kinder der Migranten studieren, bilden sich aus, übernehmen wichtige Positionen in allen gesellschaftlichen Bereichen: Wirtschaft, Medien, Politik, Kunst und Kultur, Schulen, Universitäten, Krankenhäusern. Die griechische Diaspora ist Deutschlands „unauffällige Minderheit“. Die Kirchen füllen sich lediglich an großen Feiertagen und zur Osterzeit. Von 10 Brautpaaren sind 6 gemischt. Die Taufen stagnieren. Für die Kirche ist das die Zeit der Beerdigungen, denn nur 30% der hier lebenden Griechen lassen sich in der Heimat bestatten.

Pater Michails großer Wunsch zum Abschied von seinem Amt ist, dass diese großartige Kirchengemeinde und dieses schöne Gotteshaus weiterhin Heimat und Zufluchtsort der griechisch- orthodoxen Gläubigen in Köln bleiben möge. Die Älteren sollten es nicht versäumen, den Jüngeren den Pfad des rechten Glaubens – der Orthodoxie, der Hoffnung, der Liebe und der Menschlichkeit aufzuzeigen. Gemeinsam sollen alle die Tradition dieses wunderbaren Gotteshauses der Liebe und des Gebetes in Köln am Rhein fortführen.

Lieber Pater Michail, schon Carl Zuckmayer wusste: „Am Rhein geboren zu sein heißt, in der Fülle des Lebens zu stehen.“ Wir, die Mitglieder Ihrer Gemeinde, der griechisch-orthodoxen Gemeinde dr Entschlafung der Gottesgebärerin zu Köln, danken Ihnen für Alles von ganzem Herzen, verneigen uns vor Ihnen und Ihrem unermüdlichen Wirken in den letzten 50 Jahren, bitten um Ihren Segen und wünschen Ihnen, auch in den kommenden Jahren weiter in der Fülle des Lebens am Rhein stehen zu können.

 

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