Teil 4: Interview mit dem Gesandten der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Athen, Guy Féaux de la Croix

Guy Féaux de la Croix

Von Sylvia Löser und Walter Bachsteffel

Herr Féaux de la Croix, als Vertreter Deutschlands legten sie bereits des öfteren hier in Kommeno den Kranz des Gedenkens an 317 Ermordete nieder. In das Ritual der Erinnerung trat dieses Jahr Neues Denkmal und Bibelwald erstellten deutsche Jugendliche auf dem Friedhofsvorplatz. Welche Eindrücke löst dieses Projekt bei ihnen aus?

Féaux de la Croix: Ich freue mich, dass in den letzten Jahren die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kommeno konkrete Formen angenommen hat. Ich freue mich besonders darüber, dass hier die Initiativen nicht nur von staatlicher Seite ausgingen, sondern dass sich hier die Bürger beider Länder einander zuwenden. Wenn ich die neuen Mahnmale betrachte, dann erinnert mich das daran, dass Trauer und Gedenken in Mahnmalen zum Ausdruck zu bringen gerade in Griechenland eine unendlich lange Tradition hat.

Es wurde der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft seit jeher ebenso gedacht, wie der Helden der Kriege. Das waren Zeichen, dass wir die Opfer der Kriege und Gewalttaten nicht vergessen sollen. Dafür ist es notwendig, auch ein Denkmal zu schaffen und dieses mit den Mitteln der Kunst oder Architektur zum Ausdruck bringen.

Der geistige Urheber des Denkmals sah die vier Seiten für Glauben, Frieden, Freiheit und Zukunft stehen und sprach vom „Bauen an dem Haus, das wir Europa nennen“. Der Bürgermeister von Kommeno, Dimitrios Dimou, freute sich, dass damit ein neues Kapitel aufgeschlagen würde. Große, hehre Worte, was kann getan werden, um sie mit Leben zu erfüllen?

Féaux de la Croix: In der Tat, wenn wir uns hier das Denkmal, dieses Monument, betrachten, dann erweckt es den Eindruck eines Baukastens. Es sind Elemente, die Bürger, Menschen zusammen tragen, um ein neues Haus zu bauen. Und vielleicht sogar einen Turm zu bauen, einen Turm, den wir vielleicht gemeinsam erklimmen können. Wir sehen auch etwas abseits von dem Hauptobjekt weitere Würfel, die offensichtlich noch eingebaut werden sollen. Das Haus ist also nicht fertig, aber so wie die Freundschaft und Europa ein Haus sind, an dem weiter gebaut werden muss.

16. August 2011 in Kommeno

Fortsetzung in einer der nächsten Ausgaben

→ Teil 1: Das Denkmal

→ Teil 2: Vorbereitungen

→ Teil 3: Das große Fest