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Der Beauftragte der Deutsch-Griechischen Versammlung (DGV) und Parlamentarischer Staatssekretar beim Bundesminister fur wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Norbert Barthle, MdB war zu Besuch in der Stadt Trikala bei Thessalien. Anlass fur diesen Besuch war, dass der Burgermeister der Stadt Trikala, Dimitris Papastergiou, kurzlich zum neuen Prasidenten des Zentralverbandes fur Stadte und Gemeinden (KEDE) gewahlt wurde. Die Elliniki Gnomi war vor Ort und fuhrte mit dem Parlamentarischen Staatssekretar ein Interview.

 Von Georgia Kostakopoulou

-Sie hatten ein Treffen mit dem KEDE-Prasidenten und Burgermeister der Stadt Trikala, Dimitrios Papastergiou. Ergaben sich aus diesem Treffen Moglichkeiten fur ein Fortfuhren der kommunalen Zusammenarbeit zwischen beiden Landern? Und wenn ja, wo wurden die Schwerpunkte gesetzt?

Mein Besuch in Trikala diente in erster Linie der Abstimmung mit Burgermeister Papastergiou, der kurzlich zum neuen Prasidenten des Zentralverbandes der Stadte und Gemeinden Griechenlands (KEDE) gewahlt wurde. Herr Papastergiou pflegt nicht nur intensive kommunale Partnerschaften mit den Stadten Amberg und Castrop- Rauxel. Er gehort vor allem zu einer Generation von Kommunalpolitikern, die sich entschlossen den Themen der Zukunft stellen. Die Stadt Trikala ist uberregional fur innovative Projekte im Digitalisierungsbereich bekannt.

Zahlreiche Kommunen in Deutschland haben in diesem Feld noch Nachholbedarf. Ich bin davon uberzeugt, dass die Digitalisierung und die Entwicklung smarter Losungen fur unsere Stadte, die kommunalpolitischen Herausforderungen der Zukunft sind. Dies wird in einer globalisierten Welt umso wichtiger. Ein Grundpfeiler der DGV ist der Erfahrungsaustausch auf regionaler und kommunaler Ebene, der ohne das ehrenamtliche Engagement von Landraten, Burgermeistern und Kommunalexperten kaum moglich ware. Mittlerweile haben sich uber 60 kommunale Partnerschaften zwischen Deutschland und Griechenland etabliert. Diese gilt es nun zu festigen und neue Kooperationen zu begrunden. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit dem KEDE-Prasidenten neue Impulse fur die Ausgestaltung der kommunalpolitischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Landern setzen werden. Dabei sind mir die kooperativen Aspekte und die Nachhaltigkeit unserer Arbeit besonders wichtig. Ein Hauptanliegen meinerseits ist die Fokussierung unserer Arbeit auf nachhaltige Wirtschaftsthemen. Ich denke, dass vor allem die Bereiche Energie, Abfallwirtschaft, Tourismus und Digitalisierung der Stadte fur beide Seiten von besonderem Interesse sind und hier zukunftig Synergien entstehen.

 -Auf der 85. TIF – Thessaloniki International Fair ist Deutschland in diesem Jahr das Partnerland. Zudem wird die die DGV Jahreskonferenz in Athen stattfinden. Welche Themen stellen bei den Vorbereitungen fur diese beiden Events besondereHerausforderungen dar?

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland sind traditionell sehr eng. Die deutsche Beteiligung an der Thessaloniki International Fair (TIF) wird sicherlich einen weiteren Hohepunkt in der aktuellen deutsch-griechischen Zusammenarbeit markieren. Griechenland braucht dringend weitere Investitionen, um die zukunftige Wettbewerbsfahigkeit sicherzustellen und den griechischen Wirtschaftsstandort zu starken. Ich denke, dass die gemeinsame Teilnahme an den Konferenzen und Messen zu einer starkeren Verzahnung der deutschen und griechischen Wirtschaft beitragen wird. Als DGV werden wir uns ebenfalls auf der TIF prasentieren. Wir mochten vor allem im Bereich der Energie- und Abfallwirtschaft innovative Konzepte vorstellen. An unserem Stand werden Fachexperten und Vertreter kommunaler Unternehmen uber das deutsche Abfallmanagement beispielhaft informieren. Daruber hinaus werden DGV-Experten bei Fachgesprachen und Podiumsdiskussionen unterschiedliche Losungsansatze zu aktuellen Problemen des kommunalen Alltags vorstellen. Einen thematischen Meilenstein in der DGV-Arbeit wird sicherlich die Zehnte Jahreskonferenz darstellen, die ja im November auf Einladung des Burgermeisters der symboltrachtigen Stadt Athen ausgerichtet wird. Wir sind gerade dabei, das bewahrte Konferenzprogramm der vergangenen Jahre an die thematischen Herausforderungen anzupassen. Gemeinsam mit der Stadt Athen mochten wir auf der Konferenz vor allem Raum fur Austausch und bilaterale Gesprache geben. Dass durch die letzten Kommunalwahlen in Deutschland und in Griechenland zahlreiche Burgermeister, Landrate und Gouverneure neu gewahlt wurden, mochte ich nicht nur als Herausforderung, sondern auch als eine Chance fur zukunftige Partnerschaften betrachten. Daher ist es aus unserer Sicht umso wichtiger, innovative Dialogformate auf der Konferenz zu platzieren.

 -Meinen Sie, dass die DGV bereits Meilensteine in der bilateralen Beziehung zwischen Deutschland und Griechenland verzeichnen kann und wie ist das Klima momentan zwischen beiden Landern?

Ministerprasident Mitsotakis hat Anfang des Jahres Innenminister Panagiotis Theodorikakos zum neuen griechischen DGV-Beauftragten ernannt. Die griechische Regierung hat dadurch ein eindeutiges Zeichen zur Intensivierung der Zusammenarbeit im Rahmen der DGV gesetzt. Die deutsch-griechischen Beziehungen konnen auf eine lange Geschichte zuruckblicken und sind gegenwartig gepragt von partnerschaftlicher Zusammenarbeit.

Ich denke, dass wir nach den turbulenten Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise, die auch das Verhaltnis zwischen den beiden Landern beeinflusst haben, neue Wege gehen konnen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, auf Augenhohe zusammenzuarbeiten und den Austausch zwischen den Menschen zu intensivieren. Die DGV konzentriert sich dabei vor allem auf Vertreter der Kommunen und der lokalen Wirtschaft. Doch auch im Forschungsbereich sowie im Jugend- und Kulturaustausch beobachte ich einen starken Willen zur Zusammenarbeit. Ich bin davon uberzeugt, dass wir nur durch Dialog und den Austausch von Ideen und Erfahrungen, demokratische Strukturen und den europaischen Gemeinschaftsgedanken starken konnen.

 -Ein Blick in die Zukunft: Was mochte die DGV in 5 Jahren erreicht haben?

Ich sehe es vor allem als meine Aufgabe, die Weichen fur ein nachhaltiges Bestehen der DGV zu stellen. Derzeit laufen Gesprache mit den Partnern in beiden Landern, um die DGV institutionell abzusichern und ihr eine langfristige Perspektive zu geben. Hierzu haben wir bereits zahlreiche organisatorische Ma.nahmen getroffen. In Griechenland haben wir unsere Buros in Athen und Thessaloniki reorganisiert, die nun angelehnt an die Aufteilung der Botschaft und des Generalkonsulats, konkrete regionale Zustandigkeiten haben. Wir kooperieren dabei sehr eng mit der AHK, die in Athen auch die notwendigen Buroraume zur Verfugung stellt. In Deutschland haben wir bereits zwei Koordinatoren fur die Bereiche Nord und Mitte bestellt, die den direkten Kontakt zu den Kommunen vor Ort suchen. In Zukunft wird dies fur den Bereich Sud ebenfalls ein Koordinator ubernehmen.

Ich denke, dass wir so gut fur die Zukunft aufgestellt sind und sich diese Rekonstruierung in der nachsten Zeit positiv auf die Anbahnung neuer Kooperationen auswirken werden. Es ist mein Ziel, die Zahl der neuen kommunalen Partnerschaften zu steigern und die bestehenden zu festigen. Daruber hinaus versuchen wir, in Schlusselbereichen einzelne Pilotprojekte umzusetzen, die eine uberregionale Strahlkraft entfalten konnen. Ferner ist es uns wichtig, Vertreter aus der Forschung und Wirtschaft in die Partnerschaften einzubinden, um Synergien zu schaffen und Wissen gezielt zu kanalisieren.