Warum fällt das Osterfest-Datum nicht immer zusammen?

GRIECHISCH-ORTHODOXE   KIRCHENGEMEINDE

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OSTERFEST 2012

Der Oster-Termin war zu Beginn des 21. Jh. und des 3. Jahrtausends 2001, 2004, 2007, 2010 und 2011 für alle Christen zusammen. Im ganzen 21. Jh. werden wir noch 26mal am selben Tag Ostern feiern. Dann erst wieder 2900 n. Chr. gemeinsam, wenn wir Christen mit dem Skandal der Trennung der Kirche Jesu Christi nicht aufhören. Für die ca. 1,5 Mio. orthodoxen Christen in Deutschland ist der gemeinsame Ostertermin ein großes Geschenk, weil wir auch hier die Folgen der Kirchentrennung am stärksten spüren.

Die Erklärung dafür -etwas vereinfacht- ist folgende: Zwei Faktoren können es beeinflussen:

1.      Für das Oster­fest bestimmte das 1. ökumenische Konzil von Ni­zäa im Jahr 325 n. Chr., dass es im­mer am 1. Sonn­tag (=08. April 2012)  nach dem 1. Vollmond (=06. März 2012) nach Frühlingsanfang (=20. März 2012) ge­feiert wird. Fällt je­doch dieser Sonntag in das mehrtägige jüdische Pe­ssach­fest(=06.-14.April 2012), muss das christliche – um inhaltliche Verwech­selungen in der Bedeutung zu ver­meiden–  erst später(=15. April 2012)  gefei­ert wer­den. Diese Auflage wird im Westen seit längerer Zeit nicht mehr be­rücksichtigt. Sonst hätten alle Christen öfter -trotz Punkt 2- am selben Tag gefeiert. Dieser Faktor verursacht den unterschiedlichen Termin, wenn der Unterschied eine Woche später beträgt.

2.   ­    Als die Kir­che von Grie­chenland im Jahr 1924 den Ka­lender  um 13 Tage korrigiert hatte, wurde beschlossen, aus Rücksicht auf an­de­re orthodoxe Kir­chen (Jerusalem, Russland, Serbien, Polen, Tschechien & Slowakei, Georgien, Ukraine, Estland, Hl. Berg Athos), die das Kir­chen­jahr noch nach dem alten Ka­lender, dem julianischen, gestalten –  nur den Ter­min für ­das Osterfest danach zu bestimmen. Es gilt der o. g. Modus jedoch mit falscher Festlegung des Frühlingsanfangs, d. h. 13 Tage später, so dass alle orthodoxen Christen weltweit am selben Sonntag Ostern feiern. Aus diesem falschen Ausgangspunkt, indem der Frühlingsanfang 13 Tage später terminiert wird, feiern wir so weit auseinander.

Die Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern, Griechenland, Albanien, Finn-land und die Syrisch-Orthodoxe Kirche feiern alle unbeweglichen Feste nach dem korrigierten Kalender. Die deutschsprachigen evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Griechenland feiern Ostern mit den griechisch-orthodoxen Christen am 15.04. zusammen. Die orthodoxe Kirche von Finnland feiert mit den evangelischen und mit den katholischen Christen am 08.04. Vielleicht wäre dieses Verfahren eine erste Lösung für die Orthodoxen in der Diaspora. Das Thema wird immer wieder diskutiert, und es ist zu hof­fen, dass ein gemeinsamer Weg ge­funden wird.

 OSTERN  2012:  Griechisch-Orthodoxe Gottesdienste in Ostwestfalen & Münsterland in der Karwoche

DATUM  

AHLEN

BIELEFELD

GÜTERSLOH

LINGEN

MÜNSTER

OELDE

07.04.12 Lazarus-Tag 10.00-12.00 18.oo-19.oo
08.04.12 Palmsonntag 09.oo18.30 09.oo-12.oo19.oo-20.30 08.30-10.0017.oo-18.30
09.04.12 Hoher Montag 18.30 19.oo-20.30 17.oo-18.30
10.04.12 Hoher Dienstag 18.30 19.oo-20.30 17.oo-18.30
11.04.12 Hoher Mittwoch 15.oo-16.30 18.30 19.oo-21.30 17.oo-18.30
12.04.12 Gründonnerstag 09.oo18.00 08.15-11.oo20.30-23.30 17.oo-20.oo
13.04.12 Karfreitag 15.oo-17.30 10.oo19.00 13.oo-14.3021.30-24.00 18.00-22.30
14.04.12 Karsamstag – / – 09.oo 10.30-12.oo 08.30-10.00
Osterjubel 19.30-21.00 22.30 23.30-01.oo 15.00-16.oo 17.30-19.oo 21.30-23.00
15.04.12 Ostervesper / Agape 18.30 19.00-20.00

FROHE OSTERN!  KAΛΟ ΠΑΣΧΑ! FROHE OSTERN!   KAΛΟ ΠΑΣΧΑ!

 

Die in Deutschland lebenden ca. 1,5 Millionen orthodoxen  Christen feiern am 15.04.2012 Ostern.

Das Problem der unterschiedlichen Ostertermine

von Dr. Athanasios Basdekis*

Das Osterfest ist eines der so genannten „beweglichen“ Feste der Christenheit im Jahreslauf. Es wird nicht, wie Weihnachten, jährlich am selben Datum gefeiert. Es bewegt sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes im Frühjahr. Um das Datum für das Osterfest zu berechnen, folgen alle christlichen Kirchen derselben Regel aus dem 4. Jahrhundert: Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond gefeiert, der auf die Tagundnachtgleiche im Frühjahr folgt. Dennoch wird von den Kirchen weltweit in den meisten Jahren an zwei unterschiedlichen Daten Ostern begangen, in der Regel mit einem Abstand von ein bis zwei Wochen. Manchmal liegen sogar fünf Wochen zwischen dem Osterfest der orthodoxen (Ostkirchen) und dem der so genannten westlichen Kirchen. Dieser ungewöhnliche Zustand besteht seit dem 16. Jahrhundert. Er ist die Folge einer Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. Er führte den nach ihm benannten „Gregorianischen Kalender“, ein, der die Schwierigkeiten mit dem bis dahin allgemein geltenden „Julianischen Kalender“ beheben sollte.

Die orthodoxen Kirchen (griechisch-orthodoxe, russisch-orthodoxe, serbisch-orthodoxe, rumänisch-orthodoxe, bulgarisch-orthodoxe Kirche etc.) und die orientalischen orthodoxen Kirchen (Koptische Orthodoxe Kirche, Armenische Apostolische Kirche, Syrisch-Orthodoxe Kirche, Äthiopische Orthodoxe Kirche) verwenden bis heute zur Berechnung des Osterdatums den Julianischen Kalender. Eine Ausnahme stellt die Orthodoxe Kirche von Finnland (sowie einige andere orthodoxe Kirchen in westlichen Ländern) dar, die aus ökumenischen und pastoralen Gründen das Osterfest gemeinsam mit den anderen Kirchen des Landes feiert.  Seit der so genannten Kalenderreform aus dem Jahr 1923 benutzen einige orthodoxe Kirchen nach wie vor den alten julianischen Kalender zur Berechnung und Feier der „beweglichen“ kirchlichen Feste, wie z. B. das Weihnachtsfest, weshalb sie auch „Altkalendarier“ genannt werden. Die meisten westlichen, d. h. die römisch-katholische und alle aus ihrer Tradition heraus entstandenen Kirchen richten sich hingegen nach dem Gregorianischen Kalender. Die beiden Kalender differieren derzeit um 13 Tage. Das heißt z. B., wenn der 21. März als Tag der Tagundnachtgleiche nach dem Julianischen Kalender erreicht ist, wird nach dem Gregorianischen Kalender bereits der 3. April gezählt. Falls ein Vollmond zwischen diese beiden Daten fällt, liegt das Osterfest nach dem Julianischen Kalender später, als das nach dem Gregorianischen Kalender berechnete.

Für die orthodoxen Kirchen hat die Tradition eine vorrangige Bedeutung. Ein entscheidender Faktor zur Berechnung und Festlegung des Ostertermins ist nicht nur der zugrunde liegende Kalender, sondern vor allem die altkirchliche Praxis und die Bestimmungen des I. Ökumenischen Konzils von Nizäa (325) zur Berechnung des Osterdatums, die von den Kirchen des Westens nicht mehr angewandt werden. Bekanntlich hat das Konzil von Nizäa festgelegt, dass das christliche Osterfest am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond nach der ersten Tagundnachtgleiche des Jahres gefeiert werden soll. Auch darf das christliche Osterfest, so die Bestimmung desselben Ökumenischen Konzils, nicht vor bzw. zusammen mit dem jüdischen Paschafest gefeiert werden. Fallen das christliche und das jüdische Paschafest zusammen, so muss nach der Bestimmung desselben Konzils das christliche Pascha-(Oster-)fest auf den folgenden Sonntag verlegt werden, damit der christliche Charakter des Osterfestes von dem des jüdischen unterschieden wird. So erklärt sich, warum die orthodoxen Kirchen das Osterfest oft später als die westlichen Kirchen feiern.

Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Osterdatum

Die besondere ökumenische und pastorale Bedeutung des unterschiedlichen Osterdatums haben inzwischen alle Kirchen erkannt, weshalb sie seit einigen Jahrzehnten versuchen, sich auf einen gemeinsamen Ostertermin zu verständigen. Diese Bemühungen stehen unter der besonderen Verantwortung und Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen und der orthodoxen Kirchen, denen es in der Tat nicht leicht fällt, eine Änderung in der altkirchlichen Praxis bezüglich der Berechnung des Ostertermins einzuführen, wollten sie keine neuen Trennungen und Schismen innerhalb der Orthodoxie heraufbeschwören. Bei einer Konsultation des Ökumenischen Rates der Kirchen zu diesem Thema vom 5.-7. März 1997 in Aleppo/Syrien mit Experten aus dem Bereich der Astronomie und des Kalenders konnte leider keine von allen Kirchen akzeptierte Lösung und Verständigung gefunden werden. Sie kam aber zu dem Ergebnis und empfahl:

Die erfolgversprechende Möglichkeit, in unserer Zeit zu einem gemeinsamen Osterdatum zu gelangen, wäre, a) die Grundsätze des Konzils von Nizäa beizubehalten, b) die astronomischen Daten (die Frühlings-Tagund­nacht­glei­che und den Vollmond) mit den genauesten möglichen wissenschaftlichen Methoden zu bestimmen, und c) indem als Grundlage für die Berechnung der Meridian von Jerusalem, als dem Ort von Jesu Tod und Auferstehung, benutzt wird.

Mit der Frage der Findung eines gemeinsamen Ostertermins befassten  sich auch die orthodoxen Kirchen 1982  auf einer  Konferenz in Chambesy bei Genf und stellten fest: das Problem des Osterdatums Problem ist nicht nur eine Frage der wissenschaftlichen Genauigkeit, sondern auch des kirchlichen Bewusstseins der einen und ungeteilten Orthodoxie, deren Einheit durch nichts erschüttert werden darf.

Ostertabelle:   31x gemeinsame Osterdaten 2000-2099

 15. April 2001                                                          21. April 2052

11. April 2004                                                          18. April 2055

8. April 2007                                                          14. April 2058

4. April 2010                                                          10. April 2061

24. April  2011                                                         14. April 2069

20. April 2014                                                          19. April 2071

16. April 2017                                                          10. April 2072

20. April 2025                                                            7. April 2075

16. April 2028                                                          23. April 2079

13. April 2031                                                          19. April 2082

9. April 2034                                                          15. April 2085

5. April 2037                                                            8. April 2091

25. April 2038                                                          24. April 2095

21. April 2041                                                          15. April 2096

9. April 2045                                                          12. April 2099

5. April 2048

 Kriftel, den 05. April 2007

* Dr. Athanasios Basdekis, Ökumenebeauftragter der Orthodoxen Kirchen in Deutschland (a.D)

Bachstr. 5, 65830 Kriftel, Tel.: 06192-402919