Wuppertaler diskutieren über „Griechenland in Europa“

Die EU-Präsidentschaft Griechenlands war der Anlass zu einer Diskussionsveranstaltung in der Wuppertaler Immanuelskirche. Gastgeber war die Gemeinde der Griechen in Wuppertal, die in Kooperation mit dem NRW-Europaministerium und dem Generalkonsulat Griechenlands in Düsseldorf die Wuppertaler Bürger einluden. Das Thema war „2014: Griechenland in Europa – Freizügigkeit, Wachstum und kultureller Beitrag“. Hochkarätige Referenten nahmen an der Podiumsdiskussion teil. Die Diskussionsmoderation übernahm der griechischstämmige Journalist Miltiades Oulios (WDR). Die Podiumsteilnehmer wurden vom Vorsitzenden der Gemeinde Georgios Paridis empfangen. Die Begrüßung erfolgte durch den stellvertretenden Vorsitzenden der griechischen Gemeinde und des Wuppertaler Stadtrats Ioannis Stergiopoulos sowie dem Generalkonsul Griechenlands in Düsseldorf, Grigorios Delavekouras.

Prof. Dr. Pauls J.J. Welfens, Professor für Volkswirtschaftslehre, Makroökonomische Theorie und Politik sowie Jean-Monnet-Professor für Europäische Integration an der Bergischen Universität Wuppertal begeisterte mit seinen Ideen des noch stärker vereinten und vereinheitlichten Europas. So forderte er beispielsweise ein einheitliches Steuerwesen in Europa und die Schaffung einer Euro-Politikunion. Er plädierte für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone und vertrat die Meinung, die Bürger müssten sich entscheiden, ob sie eine tendenziell instabile Währungsunion mit den aktuellen Institutionen akzeptieren oder mehr europäische Integration innerhalb eines klugen Konzeptes realisieren wollen. Er hob die Bedeutung von Städtepartnerschaften bei der Umstrukturierung im kommunalen Bereich hervor und erinnerte an die vielen Erfahrungen mit Privatisierungen in den neuen Bundesländern sowie den Aufbau der Länder Osteuropas. Er wunderte sich darüber, warum Griechenland die Expertise eigener Landsleute von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London überhaupt nicht nutze.

Der Vizepräsident der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung (DHW) Phedon Codjambopoulo sprach über die Mannigfaltigkeit der Projekte, Aktivitäten und Gespräche im deutsch-griechischen Wirtschaftsverhältnis. Auch wenn Griechenland zurzeit wirtschaftlich positive Entwicklungen aufweisen würde, so müssten die europäischen Länder weiterhin auf die Realisierung und Umsetzung der erforderlichen Reformen der griechischen Wirtschaft sowie das Vorankommen der Privatisierungen bestehen. Alles andere wäre eine negative Solidarität, die dem gegenseitigen Vertrauen innerhalb des gemeinsamen Hauses Europa schaden würde. Duale Ausbildung, soziale Marktwirtschaft und German Mittelstand sind nur einige Schlüsselwörter, die für Griechenlands ökonomische Modernisierung sehr wichtig und zukunftsweisend sind. Er widersprach dem Vorwurf, griechische Betriebsinhaber in Deutschland würden Neumigranten aus Griechenland ausnutzen und forderte dazu auf, solche Fälle direkt seinem Verband, der dafür einen speziellen Beratungsdienst eingeführt hat, zu melden.

Dr. Elena Pallantza vom Institut für Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik der Universität Bonn bedauerte das Fehlen einer „europäischen Identität“ und hob die Bedeutung der Erlernung sämtlicher europäischer Sprachen hervor. In diesem Zusammenhang forderte sie die Förderung der Erlernung der Muttersprachen in ganz Europa und unterstrich den Wert der Mehrsprachigkeit. Immerhin würde Mehrsprachigkeit die interkulturelle Kompetenz von Jugendlichen erhöhen, sie dadurch für den europäischen aber auch globalen Arbeitsmarkt interessanter machen und ihnen viele Möglichkeiten und Chancen eröffnen.

Der polnischstämmige Landtagsabgeordnete Josef Neumann, gleichzeitig auch NRW-Vertreter im Kongress der Gemeinden und Regionen Europas (KGRE), stellte den KGRE als wichtiges Gremium zur Stärkung der demokratischen Beteiligung und der Menschenrechte auf kommunaler und regionaler Ebene in den Mitgliedsländern vor. Für Bürgerinnen und Bürger, so Neumann, sei es wichtig, dass ihre Kommunen es verstehen den Nutzen und den Gewinn den Europa jedem Einzelnen bietet, auch in ihrer eigenen Stadt oder im eigenen Kreis nutzbar zu machen. Europa, so der Landtagsabgeordnete weiter, lebe vom Gedankenaustausch. Über die Eurokrise sei das leider vielfach in Vergessenheit geraten. Insofern würde er sich mehr Veranstaltungen wie diese wünschen, denn so lassen sich am besten Vorbehalte und Klischees zur europäischen Politik beseitigen. Er bekannte sich zum Verbleib Griechenlands in der Eurozone und rief angesichts des zunehmenden Radikalismus dazu auf, Freiheit und Demokratie überall in Europa zu verteidigen.

 

Von links: Phedon Codjambopoulo (DHW), Dr. Ellena Pallantza, Miltiadis Oulios (WDR), Josef Neumann MdL, Prof. Dr. Pauls Welfens (Jean-Monnet-Professor an der Bergischen Universität Wuppertal)

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