Beim Griechen – Wie mein Vater in unserer Taverne Geschichte schrieb

von Alexandros Stefanidis.

Fischer Taschenbuch Verlag

Preis € (D) 8,95 ; ISBN: 978-3-596-18758-4

 

Christoforos Stefanidis, der vom Autor angehimmelte und vergötterte Vater, kommt Anfang der 70er Jahre nach Deutschland. Eigentlich wollte er nach Brasilien. Aber dafür war er einen Zentimeter zu kurz. In Deutschland macht er sich als Gastronom und baut eine typisch griechische Familie auf. Er verdient gut und verzockt auch viel Geld. Doch er hält durch. Sein Fels in der Brandung ist seine Frau. Sie hält die Familie trotz jeglicher Eskapaden ihres Mannes zusammen. Für eine Griechin liest sich das Verhalten von Mutter Stefanidis etwas surreal und übernatürlich: sie steht zu ihrer Familie und verlässt ihren Mann auch dann nicht, als er mit einer deutschen Frau die langersehnte Tochter (Frau Stefanidis bekommt drei Söhne) zeugt. Eine deutsch-griechische Musterfrau? Vater Stefanidis nennt sein Lokal „El Greco“, später „Alexis Zorbas“ und schließlich „Der Grieche“. Dort treffen sich Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten und politischen Richtungen. Die ersten Grünen in Karlsruhe benutzen das Restaurant sogar als ihr Stammlokal. Eine Begegnung mit Gregor Gysi nach der Wiedervereinigung beeindruckt den jungen Stefanidis. So wird der Roman mit starken biographischen Notizen nicht nur ein Bericht über das, was sich im Hinterzimmer der Familie Stefanidis abgespielt hat sondern ist auch ein Stück deutsch-griechischer Geschichte der letzten vierzig Jahren Bundesrepublik Deutschland – vor und nach der Wiedervereinigung. Andererseits liegt die Stärke dieses Buchs darin, dass es indirekt und auf humoristischer und anekdotischer Art und Weise belegt, wie Integration in Deutschland sich in manchen Ethnien erfolgreich entwickelt hat.vivlio

Mancher Grieche oder manche Griechin wird in diesem Roman viele Parallelen zur eigenen Familiengeschichte mit typischen deutsch-griechischen Episoden wiedererkennen und wiederfinden. Das führt unkontrolliert zum Schmunzeln, zum Lacher oder zum Kullern einer Träne der Sympathie oder des Mitgefühls. Auf jeden Fall liest sich das Buch flüssig, schnell und spannend. Es passt gut in die Reisetasche oder für eine ruhige Stunde am Wochenende. Ich habe auf jeden Fall erlebt, wie Deutsch-Griechen, die das Buch gelesen haben, sich zunächst in die Haare bekamen, anschließend darüber lachten und schließlich sich in die Arme fielen.

Alexandros Stefanidis, Jahrgang 1975, hat in Heidelberg, Thessaloniki und Toronto Germanistik, Politikwissenschaft und Soziologie studiert und anschließend die Deutsche Journalistenschule in München besucht. Er schrieb als freier Autor für Die Zeit und den Stern. Seit 2005 arbeitet er für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Dort betreut er als verantwortlicher Redakteur die Rubrik »Sagen Sie jetzt nichts«. 2007 wurde er vom MediumMagazin zum »Journalist des Jahres« gekürt. 2008 gewann er den CNN Journalist Award in der Kategorie Print.

Phedon Codjambopoulo