Viele bekannte Namen auf der ProWein 2011. *

Von Rudolf Knoll **

Düsseldorf. Weil durch die Wirtschaftskrise im eigenen Land viel Gegenwind herrscht und die Konsumlaune eingeschränkt ist, sind die griechischen Weinerzeuger gezwungen, ihr Heil im Exportgeschäft zu suchen. Auch deshalb hat die Präsenz auf der ProWein nicht weiter abgenommen, sondern mit drei Dutzend Teilnehmern wieder leicht zugenommen. Von der einstigen Rekordzahl von fast 60 Anbietern ist man allerdings nach wie vor weit entfernt. Die Griechen sind großflächig in Halle 3 vertreten. Eine Auswahl der Kollektionen wird an einer Weinbar (Stand F 35) offeriert.

Es scheint so, als ob es nach Jahren merklichen Rückgangs auf dem deutschen Markt allmählich wieder aufwärts geht. Im Zeitraum Januar bis November 2010 gab es nach den Zahlen des Griechischen Generalkonsulats in Düsseldorf im Vergleich mit dem Vorjahr bei der Menge mit knapp 13,4 Mio. Liter einen deutlichen Zuwachs von 17,5 Prozent. Auch beim Wert legten die Griechen mit einem Plus von 9,8 Prozent zu.

Auf der ProWein sind viele bekannte Namen dabei, darunter einige, die durchaus für den ambitionierten Fachhandel interessant sind. Häuser wie Kir-Yianni, Biblia Chora, Gaia, die Domaine Hatzimichalis, Skouras, Sigalas, Lafazanis, Pavlidis, Dougos, Mediterra, Chrisohoou und Costa Lazaridis können ausgezeichnete Weiß- und Rotweine anbieten, die bevorzugt von autochthonen griechischen Sorten wie Assirtiko, Xynomavro und Agiorgitiko stammen. Aber auch Cuvées mit internationalen Varietäten spielen zunehmend eine wichtige Rolle.

Die aufstrebende Mediterra Winery (Creta Olympias) will Inselweine voran bringen. Neu für den deutschen Markt ist die in anderen Ländern bereits erfolgreiche Reihe Vin de Crete aus traditionellen Sorten, die nur auf Kreta wachsen. Beim Weißwein ist das hauptsächlich Vilana, Rosé und Rot sind jeweils Cuvées aus Kotsifali und Mandilari. Importeur Heinz Hein aus Wiesbaden hofft, auch mit dem bestehenden Sortiment mit wertvolleren Weinen aus Kreta, Santorini und Nemea gut voran zu kommen.

Für den „großen Griechen“ Tsantali bleibt Deutschland der mit Abstand wichtigste Exportmarkt (59 Prozent Anteil an den Ausfuhren). Neben dem bewährten Programm unter anderem mit den erfolgreichen Weinen aus der Mönch-Region Athos und dem auch im Fachhandel erfolgreichen Trio „Kanenas“ aus Thrakien (Weiß, Rosé und Rot in eigenwilliger, prägnanter Flaschenform) werden zwei Neueinführungen präsentiert, nämlich eine rote Cuvée aus Grenache und Cabernet Sauvignon vom Berg Athos („Agioritiko Mana“) und ein roter edelsüsser Dessertwein mit nur 9 % vol. Alkohol.

Ebenfalls weiter stark auf den Export setzt die aufstrebende Kellerei Cavino, die 83 Prozent ihrer Produktion außerhalb Griechenlands verkauft und hier mit einem Mengenplus von 5,5 Prozent das Minus von knapp 8 Prozent im Inland locker ausgleichen konnte. In Düsseldorf wird man das bewährte Sortiment unter anderem mit Imiglikos (inklusive einem fruchtigen Nemea), Mavrodaphne bis hin zu den Gutsabfüllungen des eigenen Weingutes Domain Mega Spileo präsentieren. Etwas geheimnisvoll berichtet Exportchef Nikos Assariotis von einem „neuen Artikel, mit dem wir mittelfristig eine Million Flaschen erreichen wollen.“ Es dürfte sich um einen fruchtigen Rotwein handeln.

Die einst fast ausschließlich im Billigsegment aktive Greek Wine Cellars Kourtakis hat sich in den letzten Jahren strategisch neu ausgerichtet, um auch den Fachhandel und die gehobene Gastronomie besser bedienen zu können. Ein erster Schritt war die Beteiligung an dem qualitätsorientierten Weingut Oenoforos auf dem Peloponnes, dessen Roditis „Asprolithi“ und der rote „Ianos Cava“ bei Wettbewerben erfolgreich waren. Seit letztem Jahr arbeitet man eng mit dem Weingut Ossa der Familie Babatzimopoulos in Makedonien zusammen. Der Betrieb erzeugt Bioweine und hochwertige Brände von Ouzo über Tsipouro bis hin zu rebsortenreinen Traubendestillaten. Der deutsche Exportchef Thomas Kunstmann glaubt: „Das eröffnet uns neue Möglichkeiten auf den Exportmärkten.“ (kn)

* Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion Wein + Markt, Fraund-Verlag Mainz.

** Rudolf Knoll, geborener Münchner, Jahrgang 1947, ist seit mehr als 40 Jahren im Weinjournalismus tätig. Er ist regelmäßiger Mitarbeiter der Zeitschriften «Vinum» und «WEIN+MARKT» und hat bereits mehr drei Dutzend Weinbücher geschrieben. Für seine Tätigkeit wurden ihm schon mehrere Preise für Weinpublizistik verliehen. 1985 erschien sein Buch “Griechischer Wein” und im Frühjahr 2004 „Griechenland genießen“ in Zusammenarbeit mit Monica Kellermann.

Foto:  Messe Düsseldorf, 2004